werden. Die Gebilde der Phünkcsse müssen mit Klugheit ans gc wisse Grenzen verwiesen,und von den schwächlichen Auswüchsen der bloßen Schwärmerey gereinigt werden.
§. Z54. Staate», welche ihr Daseyn wesentlich dem Handel danken, können längere Zeit hin/durch bey einem Zustande von Mittelmäßigkeit bestehen; allein die Periode ihrer Größe ist von ge/ringer Dauer. Sie erheben sich alsmählig und unvermerkt; indem sie sich nicht auf eine Weise ver/künden, welche Aufmerksamkeit aus sich zöge und ihre Macht ahnden «ließe. Ist aber einmal dieSache dahin gediehen, daß es unmöglich wird sie nicht mehr zu bemerken, so trachtet Alles, einesolche Nation eines Vortheilcs zu berauben, welchen diese gleichsam nur verstohincr weise an sich ge/bracht hat, und (wie ich mir erlaube hinzuzusetzen) auf eine Weise, die jenen Adel nicht voraussetztals bey einem durch den Sieg der Waffen emporgestiegenen Volke (S. zc>.).
Die Vorzüge Anderer erregen in uns ein unausstehliches Gefühl von Demüthigung,wenn dieselben nicht mit jenem Adel der Gesinnung und des Handelns gepaart sind, wel-cher uns gestattet, unfern niedrigen Standpunkt ohne Erröthen zu erblicken.
h. Z55. Es ist gewöhnlich eine übel verstandene Politik, sich bloß als unpartheylichcr Zusehcrda zu verhalten, wo zwei) fremde mächtige Nationen in laugen und hartnäckigen Kriegen verwickeltsind; denn jene von beyden, welche den Sieg davon trägt, wird nicht säumen, neue Kriege zu un/tcrnehmen, und gerne tritt eine Nation vo» Soldaten gegen ein Volk in Kampf, das bloß aus fried/liehen Bürgern besteht (S. zs.).
Ist einmal der Mensch zum Erkennen seiner Kraft, seines Vermögens gelangt, sokennt sein Streben keine Grenze, wenn gleich das Resultat jenes Steedens seine Grenzeallemal erreicht; da ja jeder Einzelne, so wie jede Nation ihre CulminationSpunkte haben.
§. zzü. Die syrischen und ägyptischen Könige hatten in ihrem Lande zwcyerlcy Unterthanen;nämlich jene Völker, welche ehedem als Eroberer aufgetreten waren, und die unterjochten Nationen.Die erstern, noch eingedenk ihres ehrenvollen Ursprunges, waren sehr schwer zu leiten; sie hatten zwarnicht jenen Geist von Unabhängigkeit, welcher uns bewegen kann, uns des Joches zu entledigen;aber sie waren von jener Ungeduld gepeinigt, die uns eine stete Veränderung der Oberherrschaft wün/scheu macht (S. 46.).
Ein von Eroberungssucht beherrschtes Volk ist nicht so sehr vom hohen Selbstgefühleeigener Würde begeistert, als vielmehr von Stolz und Herrschsucht qualvoll geängstigt.Indem eS, von einem unruhigen Streben nach stets erneuerten Trophäen getrieben, anfremden Fesseln schmiedet, reicht es willig seinen Nacken hin, dem der es zum Siege
führt.
§. Z5D Philipp, wie durch cinrn reißenden Strom mit fortgerissen, von den Römern bewo/gen, ikw.e» in ihrrm Kriege bcyzustehen, diente ihnen nach seinem ganzen Vermögen, und ward dasWerkzeug ihrer Siege. Die Lust sich zu rächen, und Etolicn zu verwüsten, das Versprechen eineszu vermindernden Tributs, und einiger Städte, die ihm gelassen werden sollten; fcrners seine Eiser/sucht gegen Anriochus, und andere kleinliche Beweggründe waren es, die ihn so handeln machten.Der Hoffnung beraubt, das Joch ganz von sich zu weisen, begnügte er sich damit, es sich zu er/leichtern (S. 47.).