XV
§. 8.
Nach diesen Ansichten ist diese Sehnst verfaßt. Es werden hier, so gut ich dieseszu thnn im Stande war, die wichtiger» Gesetze der Erscheinungen aus der gcsammtenNatur so viel möglich in systematischer Ordnung, wobey ich eine Eintheilung nach ganzeigenen Ansichten angenommen habe, vorgetragen. Hiebe«) wird durchgehends der Grund-satz befolgt: Jede Erscheinung so vorzutragen, wie sie sich dem unbefange-nen Beobachter darstellt, und nicht so, wie sie etwa nach vorgefaßtenAnsichten und Hypothese:« von Manchen« ausgefaßt werden möchte. Beijedem Vortrage des Gesetzes einess Erscheinung, wird demnach jeder hypothetische Ausdrucksorgfältigst vermieden, und cö wird das Gesetz der Erscheinung allemal so ausgedrücktwie dieß von demjenigen geschehen würde, der nie von einer Theorie Etwas gehört hatte.Die Gesetze der Naturerscheinungen dürfen nicht aus unscrm Geiste construirt werden; son-dern, dieselben müssen dazu dienen, um unfern Geist iin Denken und Dichten zu üben.Wir «vollen die Natur «rieht durch Gläser von angenommener selbstgeivahiter oder uns von'Andern ausgedrungener Farbe betrachten, sondern mit hellen Augen. Wir «vollen aussassen,was sich da zeigt, und wie es sich zeigt.
Diese, im schlichten Sinne des unbefangenen Beobachters ausgedrirckten Gesetze, «ver-de!« dann, wo es der Mühe Werth erachtet wird, als Thema der Meditation, und oftauch eines ungefesselten Emporschwingens der Phantasie verwendet. Nur bey dieser Me-thode die Natur zu studircn, darf «na«, es «vagen, der Einbildungskrast einen so freyenSpielraun« zu gestatten; indem hier allemal zu den, mit unbefangene««« Geiste aufgefaßtenErscheinungen, zurückgekehrt wird, und daher nicht zu befürchten steht, daß die sonst so ver-führerische Phantasie das ganze Lehrgebäude zu einen« schwärmerischen Traume umstaltcn möch-te. Diese Methode «nag mit einer Aufeinanderfolge von Ausflügen verglichen «verde««, wo-bey man selbst nicht scheut, sich in die höchsten Regionen zu schwingen, da man allemal wie-der zurückkehrt, um sich von der feststehenden Erde aus, neuerdings zu orientiren.
§. 9.
Wenn gleich, wie weiter oben behauptet wurde, der oberste Endzweck des Stu-diums der Natur nicht jener seyn soll, dieselbe zu ergründen, so müssen «vir uns nichtsdesto weniger dieses Ziel in unfern einzelnen Beschäftigungen vorstecken; denn, nur in«Verfolgen des U«,endlichen, des Unerreichbaren gelangt der Mensch zu dein Höhern.
mit enieni solchen Theile Beschäftigende möge «vcnigstens eine allgemeine Nebersicht der Philosovhieder d»atl,r nicht vernachlässigen, welches ihn: mehr nur für seine humane Bildnn.« fordern Abst«ur >cme abgesonderte Beschäfligungsweisc sehr zu statten kommen wird.
. bey den Gesetzen der sogenannten Strahlenbrechung, während dem V etragee>es wcscyes, der Ausdruck: Strahlenbrechung nicht angeivcndet, da dieser schon die Materia-lität «ind Bewegung des Lichtes als Hypothese voraussetzt.