Einleitung.
§. i.
^^enn wir uns mit kindlicher Unbefangenheit, ohne vorgefaßte Meinung, in Dcmuthdes Herzens, nnt dem schlichten Sinne des Forschenden, dem Heiligthnmc der Narur,in der wir uns mit allem Uebrigen verschmolzen erblicken, nähern; wem, wir, so vieldieß unsere geringen Fähigkeiten gestatten, das Bild der Natur, in seiner ganzen Fülleund Mannigfaltigkeit, in ihrer Lebendigkeit, im Geiste hervorzurufen, versuchen; so wer-den wir entzückt durch das ästhetische Meisterwerk der Kunst; zugleich aber werden wirin den Staub zurückgedrängt, auf unsere Nichtigfett v,!wicst», durch die Große und ma-jestätische Einfachheit im Weltenbaue; wir werden zum Forschen aufgefordert durch diedurchgehends hervorstechende Harmonie, Analogie und Gesetzmäßigkeit; aber endlich er-blicken wir doch im Ganzen, nur Bruchstücke, bloße Fragmente, und unsere gcsammteErkenntlich verliert sich wieder in ein unzusammenhängendes Chaos. So war es vonjeher, so ist eö; so wird es auch in der Folge seyn.
Eitler Wahn, Selbstsucht, Einseitigkeit in den Ansichten, und die hieraus entste-hende Beschränktheit unseres Gesichtskreises; einige gelungene Resultate in den Untersu-chungen an der Äußenfthaale der Natur; ein vorsetzliches Verschließen unseres Sinnesund Herzens gegen alle jene Aeußerungen derselben, welche in vernehmlichen Worten unszu dem Bcwußtjeyn unserer Nichtigkeit zurückgeführt hätten; alles dieses zusammen ge-nommen, hat jene menschlichen Vcnrrungen hervorgebracht, wornach wir wähnten, dieNatur, ihre Gesetze, ihre innere Wesenheit, ihren Geist m.d Charakter, ergründet zu ha-ben. Allein, wer konnte bei dergleichen Ansichten verharren? Wohl nur derjenige, deres gerade so und nicht anders will; oder der die Natur, diese lebendige Werkstätte einesunaufhörlichen Schaffens, Vernichtens, LlmwandelnS, aus Naturali,neabinetten, Treibhäu-sern, chemischen Laboratorien, algebraische!-, Formeln, kennen gelernt hat. Aus singirkenFormeln, aus Schmelztiegeln und Retorten, und wenn es hoch kommen sollte, aus denekelhasten Zuckungen am Froschapparate, hieraus sollte die Schöpfung in ihrem mystischen
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