380 A. Augustinus Bekenntnisse.
und überaus erhabener Anblick ist es, o, Herr, deineEwigkeit anzuschauen, welche selbst unveränderlich dasVeränderliche macht, und daher früher ist. Wer fernersieht mit so scharfem Geiste, daß er ohne große Müheunterscheiden kann, auf welche Weise der Ton frühersei, als der Gesang? Deswegen, weil ein Gesang eingestalteter Ton ist, und allerdings etwas da sein kann,was noch nicht gestaltet ist, dasjenige aber, was nichtist, nicht gestaltet werden kann. So ist der Stoff eherda, als das, was aus ihm wird; nicht deswegen abereher da, weil er etwas beschafft, da er vielmehr selbsterst wird — auch ist er nicht eher da an Zeitunterschied,denn wir geben nicht erst ungestaltete Töne ohne Ge-sang von uns, stellen diese nachher zusammen, undbilden sie zur Gestalt eines Liedes gleich Hölzern, auswelchen ein Kasten, oder Silber, woraus ein Gefäßgefertigt wird. Denn dergleichen Stoffe gehen auchan Zeit den Gestalten der Dinge vor, die aus ihnenwerden- Mit dem Gesänge aber verhält es sich anders.Denn, wenn man singt, hört man seinen Ton, und ertönt nicht erst ungestaltet, und wird nachher zum Ge-sänge gestaltet. Denn das, was zuerst, wie auch im-mer es sei, tönt, geht vorüber: und nichts findet manan ihm, was man wieder zurücknehmend, kunstmäßigdarstellen könnte, und deswegen beruht der Gesang ansseinem Tone, da sein Ton sein Stoff ist. Denn ebendieser wird gestaltet, damit er zum Gesänge werde, undeben darum ist der Stoff des Tones früher, als dieGestalt des Gesanges, nicht aber früher durch dieKraft, ihn zu schaffen. Denn der Ton ist nicht der