Zweites Buch.
-^ch will gedenken meiner begangnen Schandthatenund der fleischlichen Vcrderbniß'meiner Seele; nichtweil ich sie liebe, sondern auf daß ich Dich liebe, meinGott! Aus Liebe deiner Liebe thu ichs, mir vorstel-lend meine schandlichen Weg' in der Bitterkeit meinesNückdenkens, damit du mir süß werdest, nie tauschendeSüßigkeit, selige sichre Süßigkeit! und mich sammlendaus der Zerstreuung, die mich in Stücke zerriß, alsich von dir Einem auf Vieles gewandt darnieder sank.Denn in der Jugend brannte ich nach Sättigung inirdischen Dingen, und verwilderte in mancherlei licht-loser Liebe; und es verging meine Gestalt, und ichverdarb vor deinen Augen, Mir gefallend, und zu ge-fallen strebend den Augen der Menschen.
Und was wars, was mich erfreut', als liebenund geliebt werden? Aber es fand nicht statt jenesVerhältniß des Gcmüths zu Gemüth, der lichtvollerePfad der Freundschaft: sondern Nebel entstiegen derschlammigen Fleischesbegier und der Quelle des Jüng-lingsalters, und umwölkten und- verfinsterten meinHerz, damit die Heiterkeit der Liebe mir ununterscheid-bar wäre von dem Dunkel der Wollust. Verwirrtdurcheinander war mir beides, und es riß mein schwa-ches Alter durch die Irren der Begierden und stürzte