Zwölftes Buch.
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Sonst würden sie ja auch eine andere wahre Meinungin gleichem Maaße lieben, gleichwie ich liebe, wassie reden, wenn sie Wahres reden, nicht, weil es dasihrige, sondern weil es wahr ist, und eben deswegen,weil es wahr ist, nicht das ihrige ist. Lieben sie aberjenes deßhalb, weil es wahr ist, so ist es sowohl dasihrige als das meinige, weil es allen Freunden derWahrheit gemeinschaftlich gehört. Gerade aber dieses, daßsie behaupten, MoyseS habe nicht das gemeint, wasich sage, sondern was sie sagen, das will ich nicht,liebe es nicht; denn wenn es auch so ist, so ist dieseVerwegenheit nicht Folge der Erkenntniß, sondern derFrechheit, und nicht prophetisches Schauen, sondernder Stolz hat sie erzeugt.
Deswegen sind, o Herr, furchtbar deine Gerichte,weil deine Wahrheit nicht mir, noch auch diesem oderjenem allein, sondern uns allen gemeinschaftlich gehört,welche du öffentlich zu ihrer Mittheilung berufst mitder schrecklichen Ermahnung: wir sollen sie nicht füruns allein besitzen wollen, daß wir ihrer nicht beraubtwerden. Denn jeder, der das, was du allen zumGenüsse darbiethest, für sich als sein Eigenthum for-dert, und, was Allen gehört, als das Seinige betrach-ten will, wird von dem Gemeinsamen auf das Sei-nige zurückgedrängt, das ist, von der Wahrheit aufdie Lüge; denn, wer Lüge redet, der redet ausdem Seinigen.
Merke auf, o Gott, bester Richter! merke auf, dudie Wahrheit selbst! was ich diesem Widersprecher sa-gen werde. Merke auf, denn ich sage es vor dir, und