374 A. Augustinus Bekenntnisse.
vor meinen Brüdern, welche das Gesetz, Pesten letztesZiel die Liebe ist, auf die rechte Weise gebrauchen. Merkauf und siehe, was ich jenem, wenn es dir gefallt, sagenwerde. Denn ich werde ihm diese brüderlichen undfriedlichen Worte erwiedern: Wenn wir beide einsehen,daß das wahr ist, was du sagst, und beide einsehen,daß das wahr ist, was ich sage, wo, sag mir, sehenwir dieses? Wahrlich sehe ich es nicht in dir, unddu nicht in mir, sondern wir beide sehen es in derunwandelbaren Wahrheit, welche über unfern Ver-stand ist. Da wir also über das Licht Gottes, un-sers Herrn, selbst nicht streiten, warum streiten wirdann über einen Gedanken unscrs Nächsten, den wirnicht so sehen können, als die unwandelbare Wahrheitselbst gesehen wird; da wir, wenn Mopses selbst uns er-schienen wäre und gesagt hatte: «Dieses habe ick ge-meint»,^ sie dann nicht sehen, sondern glauben würden?Nimmer also sollen wir über die geschriebene Wahrheituns gegen einander mit Stolz aufblähen. Lieben wirden Herrn, unfern Gott, aus ganzem Herzen, ausganzer Seele und aus unserm ganzen Gcmülhe, und un-fern Nächsten wie uns selbst. Und wenn wir nichtglauben, daß Mopses in Bezug auf diese beiden Ge-bothe der Liebe alles das empfunden habe, was erempfunden hat, würden wir Gott zum Lügner machen,da wir von dem Geiste unsers Mitknechts anders den-ken, als er gelehrt hat. Sieh nun, wie thöricht essei, bei einer solchen Menge der wahrhaftigüen Aus-sprüche, die man aus jenen Worten entwickeln kann,verwegen behaupten zu wollen, welchen unter diesen