Druckschrift 
Bekenntnisse
Entstehung
Seite
353
Einzelbild herunterladen
 

Zwölftes Buch.

353

weder im Großen noch im Kleinen. Bor deinemAngesichte leuchtet dieses mir ein; möge es mir, ichbitte dich, immer mehr einleuchten, und ich bei dieserOffenbarung demüthig unter deinen Flügeln verharren.

Ferner riefst du mir mit starker Stimme in dasinnere Ohr, daß auch nicht jenes Geschöpf dir gleich-ervig ist, dessen Wille du allein bist, und welches ausdir in bebarrlichster Keuschheit schöpfend, nie seineVeränderlichkeit offenbaret; und welches, da du, anwelchen es sich mit ganzer Inbrunst festhält, ihm statsgegenwartig bist, nichts Künftiges zu erwarten, auchnichts der Vergangenheit zu übergeben hat, um dessenzu gedenken. O selig es, wenn es eines gibt durch dasVersenken in deine Glückseligkeit, selig durch deine immer-wahrende Einwohnung und Erleuchtung. Ich finde auchNichts, was ich eher glaube den Himmel des Himmels fürden Herrn nennen zu dürfen, als eine Wohnung vondir, welche deine Wonne, ohne den Fehler auf etwasanders abzuschweifen, anschauet; einen reinen Geist,einträchtig eins durch das Band des Friedens derheiligen Geister, der Bürger deines Staats in demHimmel über diesen Himmel. Hieraus möge die Seeleerkennen, wie weit sie durch ihre Wanderung sich ent-fernt habe, wenn sie jetzt nach dir dürstet, wenn jetztThranen ihr Brod geworden, da man täglich zu ihrsagt, wo ist dein Gott; wenn sie nur das Eine vondir bittet, und flehet, daß sie in deinem Hause wohnealle Tage ihres Lebens hindurch. Und wer ist ihr Le-ben, wenn nicht du, und welche sind deine Tage, wennnicht deine Ewigkeit, wie deine Jahre, welche nicht