Druckschrift 
Bekenntnisse
Entstehung
Seite
347
Einzelbild herunterladen
 

Zwölftes Buch.

347

Wie sollte man es daher, wenn nicht mit irgendeinem gebrauchlichen Worte, benennen, um auch Ein-fältigem es in etwa beizubringen? Was kann manaber in allen Theilen der Welt finden, daß jeglicherArt Gestaltlosigkeit sich mehr nähere, als Erd' undAbgrund. Denn auf ihrer untersten Stufe sind sieweit unscheinbarer, als alle jene höheren durchsichtigen undlichtvollen Dinge, Warum sollen wir daher nicht dieGestaltlosigkeit des Stoffes annehmen, den du ohneGestalt gemacht hattest, um aus ihm eine wohlgestal-tete Welt zu bilden, da sie so anpassend den Menschenangekündigt worden, indem sie die unsichtbare undungeordnete Erde genannt wurde.

Untersucht nun bei ihr unser Verstand, was unserSinn erreiche, so sagt er sich, auch die Gestalt ist nichterkennbar gleich dem Leben, gleich der Gerechtigkeit,denn sie ist der Stoff der Körper, und sie ist unem-pfindbar, weil bei einem Unsichtbaren und Ungeordne-ten es nichts gibt, was man sehen oder empfindenkönne. Spricht so der menschliche Verstand zu sichselbst, so versucht er sie durch Nichtwissen zu kennen,oder durch Nichtkcnnen zu wissen.

Soll ich aber, o Herr, mit Mund und Feder dirAlles bekennen, was du mich in Beziehung auf jenenStoff gelehrt hast, dessen Namen ich früherhin hörteund nicht begriff, da mir jene davon erzählten, welcheihn nicht kannten; so dacht' ich ihn mir auf unzahlba-ren und verschiedenartigen Gestalten; und eben darindacht' ich ihn nicht. Scheußliche und schreckliche Ge-stalten in verwirrter Folge drehten sich im Geiste herum,