336 A. Augustinus Bekenntnisse.
aber die Laute in der Aussprache vorübergehen, sagenwir gleichwohl, das Lied ist lang, denn es enthalt soviel Verse; die Verse sind lang, denn sie bestehen ausso viel Füßen; die Füße sind lang, denn sie zahlen soviel Silben; die Silbe ist lang, denn sie ist das Dop-pelte einer kurzen.
Aber auch so wird kein sicheres Zeitmaaß bestimmt.Denn es kann eintreffen, daß ein kürzerer Vers einegeraumere Zeit hindurch erschalle, wenn er mehr ge-dehnt, als ein längerer, welcher gedrängter vorgetragenwird. — So auch ein Lied, ein Fuß, eine Silbe.Hienach scheint mir nun, die Zeit sei nichts anderes,als Ausdehnung — aber welches Dinges — weiß ichnickt; und wunderbar wär' es, — wenn nicht des Gei-stes. Denn, ich beschwöre dich, Herr mein Gott, wasmess' ich, wenn ich unbestimmt ausspreche: diese Zeitist länger als jene, oder auch bestimmt: diese ist daszweifache von jener? Ich messe die Zeit: das weiß ich;aber ich messe nicht die zukünftige, weil sie noch nichtist; ich messe nicht die gegenwärtige, weil sie von garkeiner Dauer, nicht die vergangene, weil sie nicht mehrist. Was messe ich daher? Vielleicht die vorüberge-henden, nicht aber die vorübergegangenen Zeiten. Sohatte ich nämlich gesagt.
Fasse dich, mein Geist, und merke achtsam aufGott, unsern Helser! Er hat uns gemacht, und nichtwir uns. Merk' aus, wo die Wahrheit dämmert.Stelle dir vor, deines Körpers Stimme fängt an zutönen, und tönet und tönet annoch, und sieh, sie hörtzu tönen aus. Schon herrscht Stille, und jene Stimme