330 A. Augustinus Bekenntnisse.
als durch die Gegenwart? wohin anders, als in dieVergangenheit? Also aus dem, was noch nicht ist,durch das, was keinen Raum hat, in das, was nichtmehr ist. Was messen wir aber, wenn nicht die Zeitin einem gewissen Räume? Denn wir sagen nicht eineeinfache, zweifache, dreifache und dergleichen, und wennwir auf diese Weise etwas von der Zeit sprechen, nichtbloß von Zeiträumen. Mit welchem Räume messenwir daher die vorübergehende Zeit? mit der Zukunft,aus welcher sie vorübergeht? Allein, was noch nichtist, messen wir nicht. Mit der Gegenwart, durch welchesie vorübergeht? Aber was keinen Raum hat, könnenwir nicht messen. Vielleicht mit der Vergangenheit,in welche sie übergeht? Doch wir messen das ja nicht,was nickt mehr ist.
Mein Geist entbrennt, dieses so verwickelte Nath-sel zu kennen. Verschließe nicht, Herr, mein Gott!durch Iesum Christum beschwöre ich dich, guter Va-ter! — Verschließe nicht meinem Verlangen jenes All-tagliche und doch Geheimnißvolle, auf daß es dasselbedurchdringe, daß o Herr es ihm durch die Erleuchtungdeiner Barmherzigkeit sich ausklare. Wen soll ich hier-über befragen, und wem sollte ich mit mehrerem Nutzenmeine Unkunde bekennen, als dir, dem mein eifrigesForschen in deinen heiligen Schriften nickt übcrlästigist. Gib, was ich liebe; denn ich liebe, und auch die-ses hast ja du gegeben. Gib Vater, der du in Wahr-heit deinen Kindern gute Gaben zu geben weißt. Gib,weil ich unternommen habe, dich kennen zu lernen,und es mir zu mühsam ist, bis du es mir eröffnest.