328 A. Augustinus Bekenntnisse.
könnte ich ihn nicht vorhersagen. Auch ist jene Mor-genröthe, welch' ich am Himmel erblicke, nicht derAufgang der Sonne, obwohl sie ihm vorhergeht, auchnicht jenes Bild in meinem Geiste, welche beide alsgegenwärtig gesehen werden, um ihn als künftig vor-herzusagcn. Das Künftige ist daher noch nicht; undwenn es noch nicht ist, so ist es gar nicht; und wennes nicht ist, kann es nicht im mindesten gesehen wer-den; aber vorhersagen kann man es aus dem Gegen-wartigen, was bereits ist und gesehen wird.
Du aber, Beherrscher des Geschöpfs, auf welcheWeise lehrst du die Seelen das, was zukünftig ist.Denn deine Propheten Haft du belehrt. Welches ist dieWeis', auf die du, für welchen es nichts Künftigesgibt, Künftiges lehrst; oder vielmehr das Gegenwärtigevom Künftigen lehrst? Denn was nicht ist, kann janicht gelehrt werden. Diese Weis' ist zu weit übermeine Fassungskraft. Sie hat sich wider mich erstarkt;ich vermag nichts gegen sie. Ich werd' es aber durchdich vermögen, wenn du, süßes Licht meiner verborge-nen Augen, es mir verleihest.
Was aber jetzt deutlich und einleuchtend, ist: daßweder Künftiges noch Vergangenes ist. Und eigentlichsagt man nicht: es gibt drei Zeiten, die vergangene,gegenwartige und künftige; sondern vielleicht sollteman füglicher sagen: es gibt drei Zeiten, die gegen-wartige von der Vergangenheit, die gegenwartige vonder Gegenwart, die gegenwärtige von der Zukunft.Denn diese drei sind' ich in der Seel', und anderssind' ich sie nicht: das gegenwartige Andenken an die