326 A. Augustinus Bekenntnisse.
es noch nicht ist; da ja das, was nicht ist, nicht ge-sehen werden kann. Und welche Vergangenes erzählen,würden ja nichts Wahres erzählen, wenn sie es imGeiste nicht sahen. Ware dieses aber Nichts, so könntees ja gar nicht gesehen werden. Es gibt also sowohlKünftiges als Vergangenes.
Gestatte mir, o Herr, weiter zu fragen, meineHoffnung! — laß meine Aufmerksamkeit nicht ver-wirrt werden. Denn gibt es Künftiges und Vergan-genes, so will ich wissen, wo es sei. Vermag ich die-ses noch nicht, so weiß ich doch, daß, wo immer es sei, esdort nicht künftig oder vergangen, sondern gegenwartigsei. Denn wird auch dort es noch künftig sein, so istes noch nicht dort; und ist es auch dort bereits ver-gangen, so ist es nicht mehr dort. Wo daher immerdas sein möge, was ist, so ist es doch nirgends, alsnur gegenwärtig. Und wenn auch Vergangenes, alswahr erzählt, aus dem Gedächtnisse vorgetragen wird,so ist dieses doch nicht die Sache selbst, die vergangenist, sondern es sind die durch die Vorstellung derSache gebildeten Worte, welche sie dem Geiste wah-rend ihres Vorübergehens durch die Sinne, als Merk-zeichen eingeprägt hat. So auch liegt meine Knaben-zeit, welche nicbt mehr ist, in der vergangenen Zeit,die nicht mehr ist; ihr Bildniß aber schau' ich, wennich mich ihrer erinnere, und von ihr erzähle, in dergegenwartigen Zeit, weil sie nur noch im Gedächt-nis ist.
Ob es sich indeß ebenso mit der Voraussagungkünftiger Dinge verhalte, daß wirkliche Abbildungen