Zehntes Buch.
so daß ich nicht weiß, erreicht' ich sie, was solch einLeben nicht sein müßte! Aber ich stürze zurück durchmühselige Schwere, und das Alte verschlingt mich,und halt mich, und viel wein' ich: doch sehrwerd' ich gehalten. So viel vermag das Gewichtder Gewohnheit! Hier vermag ich zu sein, undwill nicht; dort will ich sein, und vermag nicht: über-all elend!
So betrachtet' ich die Schwachen meiner Sündenin der dreifachen Begierlichkeit, und rief deine Rechtezu meiner Hülfe. Denn deinen Glanz sah ich mitverwundetem Herzen, und zurückgedrängt sprach ich:Wer kann dahin? Ich bin hinweggestoßcn vom Blickedeiner Augen! Du bist die über Alles herrschendeWahrheit: ich aber in meiner Habsucht wollte dichnicht verlieren, und zugleich neben dir die Lüge be-halten, so, wie keiner also falsch zu reden wünscht,daß er selbst das Wahre nicht wisse. Deßhalb ver-lor ich dich, weil du nicht willst, daß man dich nebender Lüge behalte.
Wen sind' ich, der mich mit dir wieder versöhne?Hatt' ich mich zu den Engeln wenden sollen? mitwelchem Gebete? mit welcher Feierlichkeit? Viele, diestrebten, zu dir zurückzukehren, und es aus sich selbstnicht vermochten, versuchten dies, wie ich höre, undfielen in das vorwitzige Verlangen nach Erscheinungen;und ihnen ward durch leere Gebilde vergolten. Dennaufgeblasen vom Schwall der Gelehrtheit suchten siedich mit hervorgedrangter vielmehr als zerschlagenerBrust, und lockten durch den Einklang des Herzens