300 A. Augustinus Bekenntnisse.
mir habe, nicht weil das ihm ersprießlich ist, sondernweil das Gute, was mir an mir gefallt, erfreulicherist, wenns auch Andern gefallt? Denn ich werd' ei-gentlich nicht gelobt, wenn man nicht nach meinerMeinung lobt, indem entweder das, was mir mißfallt,oder etwas mehr gelobt wird, was mir minder gefallt.Also keine Sicherheit Hab' ich hier über mich? —Sieh! in dir, o Wahrheit, erkenn' ich, daß mich keinLob meincthalb, sondern meines Nächsten wegen er-freuen solle. Und ob das geschehe, weiß ich nicht. We-niger bin ich selbst mir hierin bekannt, als Du esbist. Ich bitte dich, mein Gott, stelle mich mir selbstdar, auf daß ich meinen für mich betenden Brüdernbekenne, wo ich verwundet sei.
Auch das möcht' ich mich noch fragen: wennmich das Lob rührt, weils ersprießlich dem Nächstenist: warum rührts mich weniger, wann ein Andrerungerecht getadelt wird, als dann, wanns mich selbertrist? Warum schmerzt mich böse Nachrede mehr,wann sie gegen mich selbst, als wann sie mit demziemlichen Unrecht in meiner Gegenwart wider einenAndern gerichtet ist? Weiß ich auch das nickt? Istmir auch das noch übrig, daß ich mich noch selbsttausch' und von der Wahrheit weiche vor dir im Her-zen und in meiner Zunge? Diese Thorhcit wendeweit von mir, Herr, aus daß mein Mund nicht sey,wie das Öl des Sünders, mein Haupt zu salben.
Dürftig und arm bin ich, und am besten ist esmir, wann ich mir selbst mißfall' in heimlichem Seuf-zen, und um deine Barmherzigkeit flehe, bis mein