Zehntes Buch. 239
Was also bekenn' ich dir, Herr, in dieser Art vonVersuchung? Was, als daß das Lob mich erfreue,mehr aber das Wahre selbst, als das Lob? Dennwenn ich gefragt werd', ob ich lieber, ein Unsinniger,und in allen Dingen irrender Mann, von allen Men-schen gelobt, oder ein bestandiger, und in der Wahr-heit festgegründeter Mann, von allen getadelt zu seinwünsche; so weiß ich, was ich erwähle. Doch wünscht'ich, daß mir die Freud' über irgend etwas Gutes anmir der Beifall eines fremden Mundes nicht vermehrte.Aber, ich gesteh' es, er vermehrt sie nicht allein, son-dern der Tadel mindert sie auch. Und wann diesemeine Schwache mich hinreißt, drangt sich Entschul-digung herbei: wie diese sei, weißt Du, Gott; Michmacht sie unsicher. Denn weil du nicht allein Ent-haltsamkeit heischest von uns, dort wo wir etwas nichtlieben sollen, sondern auch Gerechtigkeit, dort, wo wiretwas lieben sollen, und wir nicht nur Dich liebensollen, sondern auch unfern Nächsten; so scheint mirder hoffnungsvolle Verstand des Nächsten Freude zuverursachen, wann er, richtig erkennend, mich lobt,und ich mich dessen erfreue, hingegen seine SchwächeTraurigkeit, wann er etwas tadelt, was er nicht kennt,oder was gut ist. Denn zuweilen traur' ich auch überempfangenes Lob, wann ich über jenes gelobt werde,worin ich mir selbst mißfall', oder wann geringeresoder unbeträchtliches Gutes höher geachtet wird, alses zu achten ist Aber wiederum, woher weiß ich, obdies nicht deßhalb nur so geschieht, weil ich wünsche,daß mein Lober mit mir die nemlichc Meinung von