Zehntes Buch. Z9t
Ich widerstehe den Verführungen meiner Augen,auf daß meine Füße nicht verwickelt werden, womitich auf deinem Wege wandle; und unsichtbare Augenerheb' ich zu dir, auf daß du meine Füße lösest ausdem Stricke. Oft lösest du sie, denn oft werden sieumstrickt. Du wirst nicht müde, sie zu lösen; ich aberverwickele mich oft in den allenthalben gestellten Schlin-gen; denn du schläfst nicht, und dich wird nie schlä-fern, der du Israel schützest. Wie unzählbar vermehr-ten die Menschen durch Kunst und Geschicklichkeit inLeib- und Fußbekleidung, in Gefäßen unv ähnlichenGeräthcn, in Gemälden und verschiednen Bildnercien,welche alle über ihre nöthige und maßige und ehrbareBestimmung Hinausgehn, die Reize der Augen! folgenäußerlich dem, was sie machen, verlassen innerlich den,wovon sie gemacht sind, und vertilgen das, wozu siegemacht sind! — Ich aber, mein Gott und meineZier, auch dafür preis' ich dich, und opfere Lob mei-nem Heiligen, indem das Schöne, was durch die Seel'in die Künstlerhand übergeht, von jener Schönheit her-kömmt, die über den Seelen ist, nach der sich meineSeele sehnt Tag und Nacht. Bon dorther nehmendie Schaffer und Verehrer äußerer Schönheit dasMaß der Beurtheilung, aber nicht das Maß des Ge-brauchs. Unv es ist dort, und sie sehen es nicht, sonstgingen sie nickt weiter, und suchten ihre Stark' in dir,und vergeudeten sie nicht in behagenden Lüsten. —Ich aber, der ich dies sag' und erkenn', auch ich ver-wickle wohl den Schritt in diesen Schönheiten: aberdu losest ihn, Herr, du lösest ihn, weil deine Barm-
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