Zehntes Buch. 289
derum den großen Nutzen dieser Einrichtung. Soschwank' ich zwischen der Gefahr der Wollust und derErfahrung des Bortheils, doch mehr geneigt, (obwohldies nicht unerschütterlich behauptend) die Gewohnheitdes Singens in der Kirche gut zu heißen, auf daßdurch des Ohres Ergötzung der schwächere Geist zurEmpfindung der Gottesfurcht erhoben werde. Den-noch, wenn es mir geschieht, daß mich mehr der Ge-sang als die gesungene Sache bewegt, erkenn' ich,straflich zu sündigen, und so möcht' ich lieber denSanger nicht hören. — Seht, wie ich bin! Weintmit mir, und weint für mich, ihr, die ihr innerlichGutes hegt, und danach euer Handeln ordnet. Denndie ihr es nicht hegt, nicht Euch bewegt dieses. Duaber, Herr mein Gott, sich mich an, erhöre mich, undschau auf mich, und erbarme dich, und heile mich!In deinen Augen bin ich mir eine Frage geworden,und das ist meine Schwache!
Noch ist übrig die Lust dieser Augen meines Flei-sches, wovon ich Bekenntniß ablege vor den Ohrendeines Tempels, brüderlichen und frommen Ohren,um hiemit die Versuchungen der Fleischesbegierlichkeitzu schließen, die mich noch plagen, wahrend ich er-seufz' und mich sehne, mit meiner Wohnung, die vomHimmel ist, umkleidet zu werden.
Schöne und vielartige Formen, glänzende undliebliche Farben lieben die Augen. Nicht diese sollenmeinen Geist einnehmen, sondern Gott soll es, dersie schuf, und sie sehr gut schuf: Er selbst ist meinGut, nicht jene. Und sie umgeben mich Wachenden
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