288 A. Augustinus Bekenntnisse.
ihnen gebührt; denn ich suhle, daß durch jene heiligenWorte inbrünstiger und feuriger unsre Seelen erregtwerden zur Flamme der Gottesfurcht, wenn sie so ge-sungen werden, als wenn sie nicht so gesungenwürden, und daß alle Regungen unsers Geistesihre verschiedenen entsprechenden Weisen haben inStimm' und Gesang, wodurch sie, wie durch heim-liche Vertrautheit, geweckt werden. Aber diese Sin-nenlust, der man den Geist nicht zur Entnervung hin-geben soll, tauscht mich oft, indem der Sinn die Ver-nunft nicht so begleitet, daß er geruhig der letzte sei:sondern da er einmal ihrethalben gewürdigt ward, zu-gelassen zu werden, strebt er auch voran zu gehn undFührer zu sein. So sündig' ich in diesem, ohn' eszu wissen; aber hernach erkenn' ichs.
Aber auch zuweilen, zu sehr mich hütend vor der-lei Tauschung, irr' ich in übertriebener Streng', undbesonders, wann ich wünschte, daß aller Wohllaut süßerGesänge des davidischen Psalters von meinen Ohrenund selbst aus der Kirche verbannt sei. Und sichererscheints mir, was ich oft vom Alexandriner BischofAthanasius hörte, der eine so maßige Biegung derStimme dem Leser des Psalms anempfahl, daß esmehr dem Hersagen als dem Absingen ahnlich wäre.Wann ich aber meiner Thranen gedenke, die ich beimGesänge deiner Kirche im Anfang meines Christen-thums vergoß, und wie ich noch jetzt bewegt werde,nicht durch den Gesang, sondern durch das, was ge-sungen wird, wenn es mit sanfter Stimm', und inanpassender Weise gesungen wird; so erkenn' ich wie-