Zehntes Buch.
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Spat Hab' ich dich geliebt, du so alte und so neueSchönheit, spat Hab' ich dich geliebt! Und siehe Duwarst in mir, Ich außer mir, und hier sucht' ich dich,und, ungestaltet selbst, siel ich unter die schönen Dinge,die du schufst. Du warst mit mir, mit dir aber warich nicht. Jene hielten mich sern von dir, sie, dienicht waren, waren sie nicht in dir. Du riefst, und riefstlaut, und zerrissest meine Taubheit. Du schimmertest,strahltest, und verscheuchtest meine Blindheit. Du dufte-test, und ich athmcte, und seufze nach dir. Ich schmecktedich, und mich hungert und dürstet. Du berührtest mich,und brennend verlang' ich nach deinem Frieden.
Wann ich ganz an dir hangen werde, wird durch-aus kein Schmerz, und keine Mühseligkeit für mich,und lebendig seyn mein ganz von dir erfülltes Leben.Nun aber, da du den aufrichtest, den du erfüllst, binich mir selbst zur Last, weil ich nicht von dir er-füllt bin. Es kämpft in mir beweinenswürdige Freudemit freudebringendcr Traurigkeit: und auf welcherSeite der Sieg sei, weiß ich nicht. Ach Herr, er-barme dich meiner! Es kämpft in mir böse Traurig-keit mit guter Freud', und auf welcher Seite der Siegsei, weiß ich nicht. Ach Herr, erbarme dich meiner.Sieh, ich verberge meine Wunden nicht. Du bistder Arzt, ich der Kranke: du bist barmherzig, ich elend.Ist es nicht eine Versuchung, des Menschen Leben aufder Erde? Wer wünscht sich Mühseligkeit und Be-schwerniß? Sie ertragen heissest du uns, nicht lieben.Keiner liebt, was er erträgt, wenn er auch'das Er-tragen liebt. Denn erfreut er sich auch des Ertra-