278 A. Augustinus Bekenntnisse.
für ihn ist in meinem Gedächtnisse, weil auch der Geistseiner sich erinnert; und auch dort warst du nicht.Denn nicht das Bild von etwas Körperlichem bist du;noch bist du die Regung eines Belebten, wie jene ist,wann wir uns erfreuen, betrübt sind, begehren, fürch-ten, uns erinnern, vergessen, und dergleichen mehr;noch bist du der Geist selbst, weil du der Herr undGott des Geistes bist. Alles dies wird gewandelt:Du aber bleibst unwandelbar über Allem, und ließest dichherab, in meinem Gedachtnisse zu wohnen, wo ich dicherkannte. Und was such' ich, an welcher Stelle duwohnst, als ob Stellen dort waren? Gewiß wohnstdu dort, weil ich deiner gedenke, seit ich dich erkannte,und ich finde dich dort, wann ich mich deiner erinnere.
Wo also fand ich dich, daß ich dich erkannte?Denn du warst nicht in meinem Gedachtniß, eh' ichdich erkannte. Wo also fand ich dich, daß ich dicherkannt', als nur in Dir über mir? Keine Stelle,wo du nicht bist: und wir entfernen uns, und wirnahen uns; und doch keine Stelle, wo du nicht bist!Allenthalben, o Wahrheit, bist du Allen bereit, diedich um Rath fragen; und Allen antwortest du zu-gleich, wenn sie auch Verschiedenes fragen. Deutlichantwortest du; aber nicht deutlich hören dich Alle.Alle befragen dich, um welches sie wollen: aber nichtimmer hören sie, was sie wollen. Der ist dein treue-ster Diener, der weniger darauf sieht, von dir zu hö-ren, was er selbst will, als vielmehr darauf, das zuwollen, was er von dir hört.