Zehntes Buch. - 273
Beredsamkeit erinnern? Nein, denn obschon auch Jene,die noch nicht beredsam sind, beim Hören der Benen-nung sich der Sache selbst erinnern, und Viel' ausihnen beredt zu sein wünschen, woraus erhellt, daß dieBeredsamkeit in ihrer Erkenntnß sei; so waren sie dochmit Kvrpcrsinnen auf andre Beredtere aufmerksam,hatten ihre Lust an ihnen, und wünschten, wie sie zusein, obwohl sie freilich nur durch innere Erkenntnißihre Lust hatten, und nicht Jenes wünschten, hattensie diese Lust nicht. Glückseliges Leben bemerken wirdurch keinen Körpersinn an Andern. — Etwa so, wiewir uns der Freud' erinnern? Vielleicht. Denn auchtraurig erinner' ich mich der Freude, wie glückseligesLebens im Elend. Auch nie mit Körpcrsi'nn sah ichmeine Freude, oder hörte, schmeckte, roch, fühlte sie:sondern in meinem Geist empfand ichs, wann ich micherfreute, und dessen Erkenntniß blieb hangen in mei-nem Gedächtniß, auf daß ich mich dessen zu erinnernvermöchte, zuweilen mit Verachtung, zuweilen mitSehnsucht, nach Verschiedenheit der Dinge, deren er-freut zu haben ich mich erinnere. Denn auch Freud'über schandliche Dinge durchströmte mich einst, das ichjetzt, da ich daran denke, verabscheu' und verfluche;zuweilen über gute und ehrbare Dinge, dessen ich michjetzt mit Sehnen erinnere, ob sie gleich eben nicht dasind, und darum erinner' ich mich traurig vergangnerFreude.
Wo denn und wann empfand ich mein glückseli-ges Leben, daß ich mich dessen erinner', und es lieb',und mich danach sehne? Auch nicht Ich nur, oder
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