272 A. Augustinus Bekenntnisse.
ist, so waren sie schon einmal glückselig. Ob wir esalle einzeln oder gesammt in jenem Menschen waren)der zuerst sündigte, in dem wir Alle starben, und wo-durch wir Alle dem Elend geboren wurden, danachforsch' ich jetzt nicht, sondern ich forsche, ob im Ge-dächtnisse sei glückseliges Leben? Denn wir liebtenes nicht, kannten wir es nicht. Wir hören die Be-nennung, und wir Alle gcstchn, daß wir die Sachewünschen. Denn nicht der Laut ergötzt uns: hört ihnlateinisch der Grieche, so erfreut er ihn nicht, weil ernicht weiß, was angedeutet wird. Uns aber erfreuter, so wie auch ihn, wann er ihn griechisch hört.Denn nicht griechisch noch lateinisch ist die Sache selbst,nach deren Erlangung sich Griechen und Lateiner seh-nen, und aller Sprachen Menschen. Allen also ist esbekannt, weil Alle, könnten sie mit Einer Stimme ge-fragt werden, ob sie glückselig zu sein wünschten, ohneanzustehn antworten würden, sie wünschten es. Und dasgeschähe nicht, wenn nicht die Sache selbst, derenBenennung Jenes ist, in ihrem Gedächtnisse vorhan-den wäre.
Geschieht es etwa so, wie sich einer Karthagoserinnert, der es sah? Nein, denn nicht mit den Au-gen wird das glückselige Leben gesehen, weils keinKörper ist. — Etwa so, wie wir uns der Zahlen er-innern? Nein, denn der sie in der Erkenntniß hat,sucht nicht noch, sie zu erlangen. Glückseliges Lebenaber haben wir in der Erkenntniß, und dcßhalb liebenwirs: und dennoch wünschen wirs zu erlangen, aufdaß wir glückselig sein. — Etwa, wie wir uns der