Zehntes Buch. 271
also können wir nicht suchen, dessen wir gänzlich ver-gessen haben.
Wie also such' ich dich, Herr? Denn, wenn ichmeinen Gott sucbe, such' ich glückseliges Leben. Ichwill dich suchen; auf daß meine Seele lebe. Dennmein Körper lebt von meiner Seel', und meine Seelelebt von dir. Wie such' ich also glückseliges Leben?Denn ich Hab' es nicht, bis ich sag': es ist genug!und es dort sage, wo ich es sagen muß. Wie such'ich es? durch die Erinnerung, als wenn ichs vergessenHab', und des Vcrgessens mir noch bewußt bin? oderdurch den Drang, es kennen zu lernen als etwas Un-bekanntes, was ich entweder nie kaunt', oder so vergaß,daß ich mich auch nicht des Bergessens erinnere? IsteS nicht glückseliges Leben, was Alle sich wünschen,und durchaus Keiner nicht wünscht? Woher kennensie es, daß sie es so wünschen? Wo sahn sies, daßsie es liebten? Gewiß haben wirs in uns; auf welcheWeise, weiß ich nicht. Und verschieden ist die Weise,auf die Jemand, der es hat, glückselig ist. Einigesind durch die Hoffnung glückselig, auf eine geringreWeis' aber sind sies, als jene, die in der That glück-selig sind, dennoch wieder mehr, als Jene, die nicht inThat und nicbt in der Hoffnung glückselig sind. Undauch diese wünschten nicht so sehr glückselig zu sein,wenn es nicht auf irgend eine Weis' in ihnen war':und daß sie es wünschen ist unleugbar. Ich weißnicht, wie sies kennen lernten, und wie sie also einegewisse Erkenntniß davon haben, wovon ich wissenmöcht' ob sie im Gedächtnisse sei: denn wenn sie bort