268 A. Augustinus Bekenntnisse.
Geist, und dies bin Ich selbst! Was also bin ich,mein Gott? Welch eine Natur bin ich? Ausgebrei-tetes vielartiges Leben, unermeßliches! Sieh, in mei-nes Gedächtnisses unzahlbaren Feldern, Räumen undHöhlen, voll unzahlbarer Arten von Dingen, entwederin Bildern, wie die von allerlei Körpern, oder in derWirklichkeit, wie Wissenschaften, oder, ich weiß nicht,welche Merkmal' oder Bemerkungen, wie z. B. vonRegungen des Geistes, die, wann auch der Geist nichterregt ist, das Gedächtniß enthalt, da doch im Geistist, was im Gedachtniß ist: — in diesem allen irr' ichumher, wende mich hierhin und dorthin, durchdring'auch, so vieles ich vermag, und nirgend ein Ende!so groß ist die Kraft des Gedächtnisses! so groß desLebens Kraft im sterblich-lebenden Menschen.
Wie also beginn' ichs, du mein wahres Leben,mein Gott? Übergehn will ich auch diese meine Kraft,Gedächtniß genannt; Übergehn will ich sie, auf daßich zu dir gelange, süßes Licht. Was sagst du mir?Sieh! ich steige durch meinen Geist hinauf zu dir, derüber mir wohnt! Übergehen will ich auch jene meineKraft, die Gedächtniß genannt wird, und dich errei-chen, wo du erreichbar bist, und mich dir anschließen,wo ich mich dir anschließen kann. Denn Gedächtnißhaben auch Bich und Gevögel, sonst kehrten sie nichtzurück zu ihren Lägern und Nestern, nicht zu vielemAndern, woran sie gewohnt sind; auch vermöchten sienicht, sich an irgend etwas zu gewöhnen, als nur durchdas Gedächtniß. Übergehen also will ich auch dasGedächtniß, daß ich ihn erreiche, der mich sonderte