264 A. Augustinus Bekenntnisse.
nerte und sie hervornahm, waren sie da: durch dieErinnerung konnten sie deßhalb hervorgeholt werden.Vielleicht also, wie die Speis' aus dem Magen durchder Thiere Wiederkauen hervorgebracht wird, so ausdem Gedachtnisse Jene durch Erinnerung? Warumschmeckt denn nicht im Munde des Denkens der dar-über Redende, das heißt, der sich ihrer Erinnernde,der Freude Süßigkeit, oder die Bitterkeit der Trauer?Liegt hier das Unähnliche, weshalb es nicht durchausahnlich ist? — Wer würde denn über solches redenwollen, wenn wir, so ost wir Trauer nannten oderFurcht, auch jedesmal zu trauren oder zu fürchten ge-nöthigt würden? Und dennoch redeten wir darübernicht, wenn wir nicht allein das Bild des Schallsihrer Benennunzen, wie es des Körpers Sinne herbei-führten, in unserm Gedachtnisse vorfanden, sondernauch dieser Dinge Begriffe selbst, die wir durch keineThüre des Fleisches erhielten, und die der Geist selbst,durch Erfahrung seiner Leidenschaften sie erkennend,dem Gedachtniß anvertraut', oder auch von Letzteremohne dies Anvertrauen, für sich selbst aufbewahrtwurden.
Ob dies aber durch Bilder oder nicht? Wer be-stimmt das so leicht? Ich nenn' einen Stein, ichnenne die Sonne: wann auch die Sachen selbst mei-nen Sinnen nicht gegenwartig sind, so sinds doch ihreBilder meinem Gedachtniß. Ich nenne Schmerz desKörpers; er ist nicht da, und mich schmerzt nichts-aber wäre sein Bild nicht meinem Gedachtniß gegen-wärtig, so wüßt' ich nicht, was ich sprächst, und wenn