Zehntes Buch. 259
mir noch nicht einfiel. Wie in einem gesondertenRäume, doch nicht Räume noch Bilder, sondern dieSachen selbst enthalt' ich. Denn was die Gelehrtheit,was die Geschicklichkeit, über eine Sache für und wi-der zu reden sei, wie vielerlei Arten von Fragen esgebe, und was ich noch derlei weiß, liegt nicht so inmeinem Gedachtnisse, daß ich das Bild behalten, unddie Sache außer mir gelassen hatte, als hatt' es ge-tönt und wäre verhallt, wie die Stimme deren Spurdurch die Ohren eingedrückt ist, und aufbewahrt wird,als ob sie noch tönte, da sie nicht mehr tönt; oder wieder Geruch, der, während er vorübergeht, und imWinde schwindet, den Geruchssinn berührt, von wan-nen er dem Gedächtnisse sein Bild einprägt, daß wirbeim Erinnern hervorziehn; oder wie die Speise, diesicher im Magen nicht mehr schmeckt, und dennochgleichsam schmeckt im Gedächtnisse; oder wie etwas,das durch des Körpers Gefühl empfunden wird, und,auch getrennt von uns, im Gedächtnisse sich bildet: —denn diese Dinge gehen nicht hinein, nur ihre Bilderwerden mit wunderbarer Schnelligkeit aufgefaßt, undwunderbar wie in Zellen niedergelegt, und beim Er-innern wunderbar hervorgezogen, sondern wann ichhör', es sein drei Arten zu fragen: ob eine Sache sei,was sie sei, und wie sie sei; so halt' ich zwar vonjenen Tönen, woraus diese Worte bcstehn, ein Bildzurück, und daß sie die Ohren mit Geräusch durchfuh-ren, und jetzt verhallt sind, weiß ich: die Sachen selbstaber, die durch diese Töne bezeichnet werden, erkenn'ich nie mit einem Körpersinn, und nie sah ich sie, als