Druckschrift 
Bekenntnisse
Entstehung
Seite
256
Einzelbild herunterladen
 

256 A. Augustinus Bekenntnisse.

chende wird wieder hingelegt, um wieder hervorzugehn,sobald ichs will. Alles das geschieht, wann ich etwasaus dem Gedachtniß erzahle.

Dort ist nach Ordnung und Art Alles aufbewahrt,nach der Weise, wie es eingekommen ist: wie Lichtund allerlei Farben und Körperformen durch die Au-gen; durch die Ohren aber allerlei Arten von Tönen;und allerlei Gerüche durch die Nas'; und allerlei Ge-schmack durch den Mund; durch das Gefühl aber desganzen Körpers, was hart ist oder weich, was warmoder kalt, sanft oder rauh, schwer oder leicht, innerhalboder außerhalb des Körpers ist. Dies Alles, um eswieder, wenns nöthig ist, herzugeben, nimmt er auf,der weite Raum des Gedächtnisses und sein, ich weißnicht welcher, verborgner und unermeßlicher Busen,wo jedes durch die eigne Pforte hineingeht, und seineStelle findet. Und doch gehn die empfundnen Dingenicht selbst hinein, sondern nur ihre Bilder stehn derErinnerung des Denkens zu Gebote. Und wie diesebeschaffen sind, wer sagt mir das, obwohl es offenbarist, durch welchen Sinn sie aufgefangen und hineinge-tragen sind? Denn auch in Finsterniß und Stillebring' ich Farben hervor in meinem Gedachtniß, undunterscheide hier zwischen Weiß und Schwarz; undkeine Töne drangen sich hinein, und verwirren mirdie Bilder, die ich durch das Gesicht erhielt, da dochauch jene dort sind, aber gesondert verborgen liegen.Doch auch sie forder' ich, wann mirs gefallt, und so-gleich sind sie da, und mit ruhender Zunge und schwei-gender Kehle sing' ich, so viel ich will: und die Bil-