252 A. Augustinus Bekenntnisse.
erbarmen, dessen du dich erbarmest, und Barmherzig-keit verleihen, dem du barmherzig bist: sonst redenHimmel und Erde dein Lob Tauben.
Was aber lieb' ich, wann ich dich liebe? NichtSchönheit des Körpers, nicht vergänglichen Schmuck,nicht Klarheit des Lichts, die, siehe! diesen Augen sowohl thut, nicht lieblichen Wohllaut des Gesanges,nicht der Blumen und Salben und Spezereien süßenDuft, nicht Manna und Honig, nichts was den Sin-nen des Fleisches umfaßbar und angenehm ist: nichtdieses lieb' ich, wann ich meinen Gott liebe; und den-noch lieb' ich ein gewisses Licht, und eine gewisseStimm', und einen gewissen Geruch, und eine gewisseSpeis', und eine gewisse Umfassung, wann ich meinenGott liebe, das Licht, die Stimme, den Geruch, dieSpeise, die Umfassung meines innerlichen Menschen,wo meiner Seel' etwas glänzt, das kein Raum um-schließt, und wo etwas tönt, daß nicht mit der Zeitverhallt, und wo etwas duftet, das kein Wind verweht,und wo etwas schmeckt, das kein Essen mindert, undwo etwas umfaßt, das keine Sättigung losreißt. Dasist es, was ich liebe, wann ich meinen Gott liebe.Und was ist dies? Ich fragte die Erd', und siesprach: Ich bin es nicht. Und Alles was auf ihr ist,bekannte dasselbe. Ich fragte das Meer und die Ab-grund' und alle kriechende Thier'; und sie antworteten:wir sind nicht dein Gott; frag' über uns. Ich fragtedie wehenden Lüfte; und der ganze Luftraum antwor-tete mit allen seinen Bewohnern: Anaximenes irrt, ichbin nicht Gott. Ich fragte Himmel und Sonn' und