Neuntes Buch.
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Ich aber, da jetzt mein Herz geheilt ist von derWunde, worin meine irdische Leidenschaft getadelt wer-den könnte, gieße dir nun, unser Gott, sür jene deineDienerin eine weit andre Art Thranen aus, die auseinem Geiste fließen, den die Betrachtung der Gefah-ren jeder in Adam sterbenden Seel' erschütterte. Ob-wohl sie in Christus lebendig war, und, noch nicktaufgelöst vom Fleische, so lebte, daß ihr Name geprie-sen wird im Glauben und Lebenswandel; so wag' ichsdennoch nicht zu behaupten, daß, seit du sie durch dieTaufe wieoergcbahrst, kein Wort aus ihrem Mundegegangen sei wieder dein Gebot. Und die Wahrheitsagt dein Sohn: Wenn jemand sagt zu seinem Bru-der: du Tbor! so ist er des höllischen Feuers schuldig.Und weh auch dem preiswürdigen Menschenleben, wenndu es ohne Barmherzigkeit richtest! Weil du abernicht mit Strenge die Fehler untersuchst, so hoffenwir und vertrauen, Verzeihung bei dir zu finden.Wer dir aber seine wahren Verdienste vorzahlt, waszahlt er dir vor, als deine Geschenke? Und kenntendock alle Menschen sich selbst, und die sich rühmen,rühmten sie sich in Dir!
Ich also, mein Lob und mein Leben, Herr mei-nes Herzens, bitte dich jetzt, uneingedenk der gutenWerke meiner Mutter, wofür ich dir freudig danke,um Vergebung sür ihre Sünden! Erhöre mich durchdie Arznei unsrer Wunden, die am Kreuze hing, undnun, sitzend zu deiner Rechten, dich bittet für uns.Ich weiß, daß sie mit Barmherzigkeit gehandelt undvon Herzen die Schulden ihren Schuldnern vergeben
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