Druckschrift 
Bekenntnisse
Entstehung
Seite
237
Einzelbild herunterladen
 

Neuntes Buch.

237

Derlei sprachen wir, obwohl nicht auf diese Weis'und mit diesen Worten. Du aber, o Herr, weißt es,daß sie an jenem Tage, da wir derlei redeten, unduns unter dem Reden diese Welt verächtlich ward mitallen ihren Freuden, so zu mir sprach: Sohn, wasmich betrifft, so bat nichts mehr Reiz für mich indiesem Leben. Was ich hier noch machen soll, undwarum ich noch hier bin, weiß ich nicht, da keine Er-denhoffnung mir übrig ist. Eines war, weßhalb ichin diesem Leben noch etwas zu weilen wünschte: daßich Dich als katholischen Christen sah', eh' ich stürbe.Über meine Erwartung hat Gott mir dies gewahrt,da ich dich als seinen Diener sehe, der alles Erden-glück verachtet. Was mach' ich hier ferner?

Was ich hierauf ihr antwortete, erinner' ich michnicht genau. Kaum fünf oder sechs Tage hernach,oder nicht viel mehr, überfiel sie ein Fieber. Undeines Tags wahrend ihrer Krankheit, siel sie in Ohn-macht, ihr Bewußtsein verlierend. Wir eilten herbei;aber schnell erholte sie sich, schaute die Umstehenden an,mich und meinen Bruder, und sprach, als wenn siefrüge: Wo war ich! Sie sah, wie wir traurcnddastanden: Werdet ihr hier eure Mutter begraben?sagte sie. Ich schwieg und hemmte meine Thräncn.Mein Bruder äußerte den Wunsch, daß sie nicht inder Fremde, sondern in ihrem Vaterlands sterben möchte,weil solches besser wäre. Als sie das hörte, blickte sieängstlich auf ihn, und ihre Augen straften ihn, daß erso dächte. Drauf schaute sie auf mich: Siehe, sagtesie, was er spricht! Und dann sprach sie zu uns bei-