Druckschrift 
Bekenntnisse
Entstehung
Seite
233
Einzelbild herunterladen
 

Neuntes Buch.

233

Auch die große Gabe hattest du deiner guten Die-nerin verliehen, in deren Leibe du mich bildetest, meinGott, meine Barmherzigkeit, daß sie bei jedem Zwie-spalt und jeder lineinigkeit so gern Frieden stiftete,daß sie von allen den Bitterkeiten, die sie von EinemTheile gegen den Andern hörte, (wie schwellender un-verdauter Zwiespalt sie hervorzustoßen pflegt, wannin Gegenwart der Freundin sich der rohe Haß in hef-tigen Worten über die abwesende Feindin ergießt) niedas Geringste dem andern wieder sagte, als was zuihrer Versöhnung dienen konnte. Ein unbeträchtlichesVerdienst schiene mir dies, wenn ich nicht die traurigeErfahrung gemacht hatte, daß eine unzahlbare Menge,angesteckt von ich weiß nicht welcher scheußlichen weitund breit ausgedehnten Sündenpest, nicht allein er-zürnten Feinden die Wort' erzürnter Feinde hinterbringt,sondern auch Ungesagtes hinzusetzt, da es im Gegen-theil für ein Menschenherz etwas Geringes sein sollte,sich zu bestreben, der Menschen Feindseligkeiten nichtallein nicht aufzuregen, und zu starken durch böse Re-de, sondern sie zu tilgen durch freundschaftliche Rede.So war sie, gelehrt von dir, dem innern Lehrer inder Schule des Busens.

Endlich gewann sie dir auch ihren Mann amEnde seines zeitlichen Lebens; und sie hatte nun auchüber nichts mehr an ihm, dem Glaubigen, zu klagen,was sie an ihm, dem noch nicht Glaubigen ertragenhatte. Auch eine Dienerin war sie deiner Diener.Denn wer deren sie kannte, lobt' und ehrt' und liebtedich in ihr, weil man deine Gegenwart erkannt' in