Neuntes Buch.
lein" zu tragen pflegen. Aus dieser Ursach', und wegenihres Alters und tadellosen Betragens ward sie in die-sem christlichen Hause sehr geehrt von der Herrschaft.Man trug ihr auch die Aussicht über die Töchter desHauses auf: und mit Treue besorgte sie das, schranktesie ein, wo es nöthig war, mit heiliger scharfer Strenge,und unterrichtete sie mit gesetzter Klugheit. Dennwenn sie außerhalb der Stunden, wo ihnen am Ti-sche der Eltern maßige Kost gereicht ward, auch hef-tigen Durst litten, so ließ sie sie nicht einmal Wassertrinken, so eine böse Gewohnheit verhütend, und setztedas weise Wort hinzu: Nun wollt ihr Wasser trinken,weil kein Wein in eurer Gewalt ist: gelangt ihr aberzu Mannern, und werdet Meisterinnen zu Borraths-kammer und Keller, so ekelt euch das Wasser, unddes Weintrinkens Gewohnheit siegt! — Durch dieseArt zu lehren, und durch das ihr übertragene Ansehnzügelte sie die Begierlichkeitcn der zarteren Jugend,und gewöhnte selbst den Durst der Madchen an schick-liche Zeiten, so daß ihnen nun nicht beliebte, was sichnicht ziemte.
Und dennoch, wie mir Sohne deine Dienerin er-zahlte, hatte sich die Weinluft bei ihr eingeschlichen.Denn da es ihr als einem nüchternen Madchen auf-getragen ward, Wein aus dem Fasse zu holen, schlürftesie mit vorgespitzten Lippen von dem Rande des Schöpf-bechers, eh' sie ihn in die Masch' ausschüttete, einWeniges nur, weil Mehreres ihr widerstand. Dennnicht Trinkbegier verleitete sie dazu, sondern gewisseüberflüssige Auswüchse der Jugend, die in Spielereien
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