Druckschrift 
Bekenntnisse
Entstehung
Seite
218
Einzelbild herunterladen
 

218 A. Augustinus Bekenntnisse.

mein Nebridius lebt dort! Mein theurer Freund, deinangenommener Sohn aber eines Freigelassenen, Herr,lebt dort. Denn welcher andre Aufenthalt für einesolche Seele? Dort lebt er, worüber er mich armenUnwissenden oft Vieles fragte. Jetzt nähert sich seinOhr meinem Munde nicht, sondern sein geistiger Munddeinem Brunnen, und trinkt Weisheit so viel ihm ge-lüstet, ohne Ende glücklich. Doch nicht so wird ersich darin berauschen, daß er meiner vergesse, da du,Gott, der du ihn trankest, unser eingedenk bist. Solebten wir als Freund', und trösteten den traurigenVerckundus, über diese unsre Bekehrung, und ermahn-ten ihn zur Treue seines Standes, ncmlich des Elx-lebens. Von Nebridius aber erwarteten wir, daß eruns folgte, weil er nicht weit entfernt war. Die Zeitnahte, und sieh, endlich waren jene Tage verflossen:denn lang und viele schienen sie mir aus Begier, ingeschaftloser Freiheit zu singen aus ganzer SeeleiMein Herz hat dir gesagt: dein Angesicht Hab' ich ge-sucht! Dein Angesicht will ich suchen.

Und der Tag kam, wo ich in der That cntlöstwerden sollte von meiner Stell' als Lehrer der Rede-kunst, wovon ich in Gedanken schon entlöst war. Undes geschah. Und du befreitest meine Zunge von dem,wovon du schon mein Herz befreiet hattest, und freu-dig pries ich dich, als ich mit allen den Meinigen aufdas Landgut zog. Was ich dort in den Wissen-schaften that, die ich nun zwar zu deinem Dienst an-wandte, die aber auch zuweilen noch in den Stolzder Schule fielen, so wie Schnellgclaufene in der Ruhe