Siebentes Buch.
155
daß ich dadurch nickt genöthigt würde, den unwan-delbaren Gott wandelbar zu glauben, auf daß ich nichtselbst würde, was ich suchte. Daher sucht' ich sie,versichert, daß es unwahr wäre, was sene behaupteten,und ich floh sie, weil ich beim Forschen, woher dasböse, sie erfüllt fand mit Bosheit, indem sie wähnten,deine Substanz vielmehr litte Böses, als die ihrigeBöses thäte. Und ich war aufmerksam, auf daß ichsähe, was ich hörte: der freie Wille wär' Ursach, daßwir Böses thäten, und dein gerechtes Urtheil, daß wirlitten: — und hell dies zu sehn vermocht' ich nicht.
Strebend also, des Geistes Kraft hervorzuzi'ehnaus der Tiefe, stürzte sie wiederum zurück; und oftstrebt' ich, und sie stürzte zurück wiederum und wie-derum. Denn mich hob es empor, daß ich so sicherwußte, ich hatte freien Willen, als das Leben. Alsowollt' ich etwas, oder wollt' es nicht, so war ich höchstsicher. Ich wärs, der da wollt' und nicht wollt', undnichts anders: und daß dort die Ursach meiner Sündewäre, merkt' ich nun allmählig: was ich aber widerWillen that, schien ich mir mehr zu leiden, als zuthun, und betrachtet' es nicht als Schuld, sondern alsStrafe, die ich als nicht ungerecht über mich verhangt,dich gerecht denkend, sofort eingestand. Wiederumaber sagt' ich: Wer schuf mich? nicht mein Gott, nichtallein ein guter Gott, sondern das Gute selbst? Wo-her also, daß ich das Böse wollt', und das Gute nichtwollt', auf daß ich mit Recht Strafe litte? Wer legtedas in mich, und pflanzte in mich die Keime der Bit-terkeit, da mein süßester Gott ganz mich schuf? Ist