Druckschrift 
Bekenntnisse
Entstehung
Seite
144
Einzelbild herunterladen
 

144 A. Augustinus Bekenntnisse.

Als ich so sprach, trieben wechselnde Winde meinHerz her und hin, und die Zeiten vergingen, und ichzauderte, mich zum Herrn zu bekehren, und verschobvon Tage zu Tage, zu leben in Dir, und verschobnicht, taglich in mir selbst zu sterben. GlückseligesLeben liebend, scheut' ich, es aufzusuchen in seinemSitz, und hinwegfliehend sucht' ich es. Denn gar zuelend glaubt' ich mich, müßt' ich des Weibes Umar-mung entbehren; und der Arznei deiner Barmherzig-keil, ,mn diese Schwache zu heilen, gedacht' ich nicht,weil ich sie nicht aus Erfahrung kannte, und wähnte,die Enthaltsamkeit war' ein Werk eigner Kraft, derenich mir nicht bewußt war, indem ich so thöricht war,daß ich nicht wußte, wies geschrieben steht, keinerkönnt' enthaltsam sein als wenn du es verliehest. Unddu verliehest es ja, wenn das Seufzen meines Inner-sten deinen Ohren erklang', und ich in festem Glaubenauf dich alle meine Sorge wendete.

Sehr ernst rieth Alypius mich ab von der Ehe,weil wir alsdann, wie er zur Ursach angab, auf keineWeise zusammen ungestört der Weisheitsliebe lebenkönnten, wie wir es schon lange wünschten. Denn erwar schon damals äußerst keusch, zum bewundern.Beim Eintritt in die Jünglingsjahre hatt' er der Liebegenossen; aber er klebte nicht an ihr, bereut' und ver-achtete sie. Und seitdem lebt' er höchst enthaltsam. Ichaber berief mich dagegen auf die Beispiele derer, dieauch verehlicht Weisheit gepflogen, und Gott gefälliggelebt hätten, und treu und liebevoll gegen Freundegewesen wären. Aber von der Geistesgröße solcher