Druckschrift 
Bekenntnisse
Entstehung
Seite
130
Einzelbild herunterladen
 

130 A. Augustinus Bekenntnisse.

weil ja alle die verfänglichen Streitfragen, nebst sovielem, was ich von sich widersprechenden Philosophengelesen hatte, mich nicht dahin bringen konnten, je zuglauben, daß Du nicht warst, obwohl ich, was duwarst, nicht wußte; oder daß die Leitung menschlicherAngelegenheiten dir nicht angehörte: zwar glaubt' ichdies zuweilen starker, zuweilen schwacher; dennochglaubt' ichs immer, daß du wärst und Unser Sorgetrügst, obwohl ich weder wußte, wie man deine Sub-stanz sich denken sollte, noch welcher Weg führt' oderzurückführte zu dir.

Da wir also selbst zu schwach waren, die achteWahrheit zu finden, und uns dazu Vertrauen auf dieheiligen Schriften noth war; so begann ich nun zuglauben, du würdest auf keine Weise diesen Schriftenbereits rings auf der Erde so viel Ansehn verliehnhaben, wolltest du nicht, daß wir durch sie an dichglauben, und durch sie dich suchen sollten. Denn das,was mir in ihnen als Ungereimtheit anstößig zu schei-nen pflegte, schrieb ich, nachdem ich vieles sehr wahr-scheinlich erklaren gehört hatte, der Erhabenheit derGeheimnisse zu: und um so vcrehrenswerther, und desheiligen Glaubens würdiger erschien mir jenes Ansehn,da die Schriften Jedem lesbar sind, aber dennoch dieWürde ihrer Geheimnisse in tieferem Verstände be-wahren, in den klarsten Worten und in der einfachstenRcdensweis' allen sich darbietend, und die Geistesan-strengung derer übend, die nicht leichtsinniges Herzenssind, auf daß sie alle aufnahmen in ihren menschen-freundlichen Busen, aber wenige zu dir hinübersührten