Sechstes Buch. 129
bereitet, und sie ausgegossen über die Krankheiten derErd', und ihr so große Kraft verliehen hast.
Aber auch so schon schien mir die katholische Lehrevorzüglich; und ich fand, daß sie bescheidener undvöllig arglos verlangte, das zu glauben, was nicht be-wiesen ward, (seis unbeweisbar in Rücksicht des Ob-jekts oder Subjekts) wogegen bei jenem durch keckeVersprechungen der Kenntniß die Leichtgläubigkeit be-trogen, und drauf manches äußerst märchenhafte undungereimte ihrem Glauben aufgedrungen wird. Dar-auf überzeugtest du mich allmahlig, ».Herr, mit sanf-ter erbarmender Hand mein Herz rührend und berei-tend, — da ich überdachte, wie unzahlbares ich glaubte,was ich nicht sah, noch bei dessen Ausübung ich zu-gegen war, so manches in der Völker Geschichte, somanches von Stellen und Städten, was ich nicht sah,so manches den Freunden, so manches den Ärzten,so manches diesem und jenem Menschen, wo wir glau-ben müßten, oder zu jedem Geschäft in diesem Lebenunfähig waren; endlich wie unerschütterlich ich an dieEltern glaubte von denen ich gezeugt war, was ichnicht wissen könnt', ohn' es von andern zu hören: —daß nicht die, so deinen Büchern glauben, welche duunter fast allen Völkern in so großem Ansehn begrün-det hast, sondern jene, die ihn nicht glauben, derSchuld zu zeihen waren, und daß ich es nicht achten ,müßte, wann man mir etwa sagte: Woher weißt du,daß jene Bücher von des einzigen wahren und wahr-haftigen Gottes Geiste dem Menschengeschlecht ver-kündet sein? Und dies mußt' ich vorzüglich glauben,