Viertes Buch.
79
Schmcrzens. Aber es folgten, zwar nicht neue Schmer-zen, doch Quellen neuer Schmerzen. Denn wie hattemich so leicht und so in meinem Innersten jenerSchmerz durchdrungen, als nur, weil ich meine Seel'in eine Sandwüste gestoßen chatte, den Sterblichenliebend wie einen Unsterblichen? Denn vorzüglich auf-munternd für mich und erquickend waren nun die Trö-stungen neuer Freunde, mit welchen ich jenes liebte,was ich statt Deiner liebte: und dies war ein fabel-haftes Wesen, und eine lange Lüge, durch deren un-achten Kitzel unser Geist, dessen Ohren lüstern waren,verdorben ward.
Aber dieses Märchen erstarb nicht in mir, wanneiner meiner Freunde starb. Vielerlei mehreres wars,was dabei das Gemüth festhielt: zusammen reden undlachen, und einander gefallig sein; zugleich süßredendeBücher lesen; zugleich scherzen und einander Höflich-keiten bezeigen-, zuweilen sich widersprechen ohne Haß,wie oft ein Mensch sich selbst, und dann eben durchden feinen Widerspruch die Eintracht würzen; einandersich etwas lehren, oder lernen von einander; mit Sehn-sucht nach Abwesenden verlangen, die Kommendenaufnehmen mit Freudigkeit; und mit diesen und ahn-lichen Dingen, die Hervorgehn aus dem Herzen lieben-der und geliebter Freunde durch Mund, durch Zunge,durch Augen, und durch tausend gefallige Gebärdengleichsam mit Zunder die Gemüther zusammen treiben,und aus mehreren Eins machen: — das ist es, wasman an Freunden schätzt, und so schätzt, daß desMenschen Gewissen sich schuldig fühlt, liebt man den