78 A. Augustinus Bekenntnisse.
nicht bei Spiel und Gesang, nicht in süßduftendenLauben, nicht bei prachtigen Gastmalern, nicht in derWollust des Schlafgemachs und des Lagers, nicht beiBüchern und Gedichten ruhete sie. Alles ekelte, selbstdas Licht; und was nicht Er war, war widrig undverhaßt, außer Thrancn und Seufzen. Denn nur inihnen war einige wenige Ruhe. Könnt' aber diesenmeine Seele nicht nachhangen, so drückte sie schwereLast des Elends, die nur du, o Herr, leichtern undheben konntest. Ich wußte das: doch mocht' ichs nicht,und vermocht' es nicht, weil du mir nichts Standigeswarst und Festes, wann ich deiner gedachte. Dennnicht du warst es: sondern ein eitles Gebild' und meinJrrthum war mein Gott. Führt' ich dahin meineSeel', auf daß sie ruhete, so stürzte sie ins Leere, undsiel zurück auf mich: und ich blieb mir übrig, eineunglückliche Stelle, wo ich nicht sein, und wovon ichnicht Hinweggehn konnte. Denn wohin flöhe meinHerz vor meinem Herzen? Wie flöh ich vor mir selbst,ohne daß ich mir folgte? Und doch floh ich aus mei--nein Baterlande. Denn weniger suchten ihn dort meineAugen, wo sie ihn nicht zu sehen gewohnt waren:und aus Tagaste kam ich nach Karthago. —
Die Zeiten stehn nicht still, noch walzen sie sichmüßig unfern Sinnen vorbei. Wunderbares wirkensie auf unser Gemüth. Siehe! sie kamen und vergin-gen von Tage zu Tag, und kommend und vergehendführten sie mir andre Gestalten und andre Vorstellun-gen herbei, und allmahlig überdeckten sie durch dievorigen Arten der Freude die Spur des entweichenden