72 A. Augustinus Bekenntnisse.
sie seinen Lebensunterhalt zu erwerben; und da erbereits den Hippokrates verstanden, hätt' er auch wohlzugleich jene Kunst verstehen können, dennoch hernachsie bloß darum verlassen, und zur Heilkunde sich ge-wendet, weil er jene als höchst falsch erkannt, und alsein ehrlicher Mann nicht im Betrüge der Menschenseinen Unterhalt suchen wollte. Aber du, sprach er,verstehst genugsam die Redekunst, um dich durch sieunter den Menschen sortzulhelfcn; doch diese tauschendeKunst triebst du nur aus freier Lust, nicht aus Rothdes Vermögens; wie viel mehr mußt du nun meinemUrtheil über jene glauben, da ich sie so von Grundaus zu erlernen strebte, daß ich durch sie allein Lebens-unterhalt gewinnen wollte?
Als ich ihn fragte, woher aber, daß so vielesWahre durch jene Kunst ausgesagt würde? antworteteer, so gut ers konnte, nemlich, das geschähe durch dierings in der Natur verbreitete Macht des Zufalls.Denn wenn sich auf den Blattern eines Dichters, derganz etwas anders sang und im Sinn hatte, aufge-schlagen um Rath zu holen, oft ein mit der Fragewunderbar zutreffender Bers fände, so müßte mannicht darüber erstaunen, wenn aus der menschlichenSeele durch irgend einen höhern Antrieb, unwissendwas in ihr geschähe, etwas nicht absichtlich sondernzufällig hervortönte, das ganz des Fragenden Geschäft'und That anpaßte.
Dies thatst du mir kund durch ihn, und was ichweiter selbst erforschen sollte, zeichnetest du so meinemGeiste vor. Damals aber konnte weder Jener, noch