64 A. Augustinus Bekenntnisse.
wohl in gegenwärtiger That, als in Vorhersagung derZukunft.
Dieser Ding' unkundig verlacht' ich deine heiligenDiener und Propheten: und was that ich anders, daich sie verlachte, als mich verlachenswürdig machen vordir, indem ich allmählig zu solchen Possen gelangte,daß ich glaubte, die Feige weine beim Abbrechen, unddie Mutter, der Baum, vergieße Thränen? Wenn einHeiliger diese Feige, abgebrochen durch fremdes, nichtdurch eignes Vergehn, genösse, so würd' er sie vermi-schen mit seinen Eingeweidcn, glaubt' ich, und Engelaushauchen durch sie, ja sogar Theilchen Gottes, wah-rend er beim Gebete seufzt' und athmcte, welche Theil-chen des höchsten und wahren Gottes verschlossen ge-blieben waren in jener Frucht, wenn sie nicht durchZahn und Magen des auserwahltcn Heiligen ausgelöstwaren. Und ich Elender glaubte, daß mehr Barm-herzigkeit den Früchten der Erde zu erweisen war', alsden Menschen, um dercnthalb jene wachsen: denn bat'um etwas ein Hungernder, der kein Manichäer wäre,wie mit Tod zu betrafen wäre der Bissen, den manihm reichte.
Und du reichtest deine Hand herab aus der Höh',und aus dieser tiefen Finstcrniß errettetest du meineSeele, als zu dir für mich meine Mutter, deine Gläu-bige, weinte, heißer als sonst Mütter Leichname be-weinen. Denn sie sah meinen Tod durch den Glau-ben und den Geist, den sie aus dir hatte, und du er-hörtest sie, und verschmähetcst nicht ihre Thränen, dieherabträufelnd die Erde feuchteten unter ihren Augen