58 A. Augustinus Bekenntnisse.
ihren Theilen, als in ihrem Ganzen; und ist sie un-endlich groß, so ist sie in einem durch gewissen Raumbestimmten Theile kleiner, als in ihrer Unendlichkeit.Auch ist sie nicht allenthalben ganz, wie ein Geist,wie Gott. Und was das war' in uns, worin wirGott glichen, und ob mit Recht in der Schrift wirnach Gottes Ebenbilde geschaffen genannt werden könn-ten, war mir ganz und gar unbekannt. Und ich kanntenicht die wahre innere Gerechtigkeit, die nicht nachGewohnheiten urtheilt, sondern nach dem richtigstenGesetze des allmachtigen Gottes, durch welches dieOrdnung der. Zeiten und Tage für Zeiten und Tagebestimmt ward; welches allenthalben und stets selbstwar, nicht hier so, und anderwärts anders; nach wel-chem gerecht waren Abraham und Isaak und Jakobund Mopses und David, und alle Jene, gelobt vomMunde Gottes. Aber ich sah sie ungerecht beurtheiltvon Unwissenden, die nach menschlicher Art urtheilten,und alle Lebensweise des menschlichen Geschlechts nachihrer Weise abmaßen: Gleich als wenn jemand, un-kundig, welche Bewaffnung jeglichem Gliede gebühre,mit dem Stiefel das Haupt sich decken, und mit demHelm sich beschuhen wollte, und murrte, daß es sichnicht wohl anfügte; oder als wenn an selbigem Tage,wann von den nachmittaglichen Stunden an Hand-lungsstille bekannt gemacht ist, Jemand unwillig wäre,daß er nichts feil haben dürfte, da es doch am Mor-gen erlaubt war; oder in selbigem Haus etwas einenSklaven ausrichten sähe, was man dem, der die Be-cher besorgt, nicht auftragt; oder jemanden etwas bin-