56 A. Augustinus Bekenntnisse.
Aber du, meine Liebe, worin ich vergeh' auf daßich stark sei! Du bist nicht jene Körper, die wir sehn,obwohl am Himmel; noch bist du, die wir dort nichtsehn: weil du sie erschufst, und deine größten Schö-pfungen immer nicht Du sind. Wie weit also entferntbist du von jenen meinen Einbildungen, eingebildetenKörpern, die gar nicht sind! Zuverlässiger sind dieVorstellungen von Körpern, die sind, und zuverlässiger,als diese, die Körper selbst, die aber nicht Du sind.Auch bist du die Seele nicht, die das Leben der Kor-per ist. Daher ist besser das Leben der Körper undzuverlässiger, als die Körper selbst. Aber du bist dasLeben der Seele, Du das Leben des Lebens, selbstlebend und unwandelbar, o Leben meiner Seele! Wowarst du denn Mir damals, und wie weit? Und wieweit von dir wandelt' ich, auch ausgeschlossen von denSchoten der Säue, die ich mit Schoten nährte! Wieviel besser waren die Märchen der Grammatiker undDichter, als diese täuschenden Schlingen! Denn Vers'und Gedicht' und die fliehende Medea sind sicher nütz-licher, als die fünf bunt ausgeschmückten Urstoffe we-gen der fünf Höhlen der Finsternisse, die ganz undgar nicht sind, und den Glaubenden zu Grunde rich-ten. Denn Vers' und Gedichte halt' ich wie wahreZukost. Besang ich auch die fliehende Medea, so hieltichs doch nicht für wahr, und hört' ich sie besingen,so glaubt' ichs nicht: jenes aber glaubt' ich.
Wehe, wehe! Durch welche Schritte ward ichhinabgezogen in die Tiefe des Abgrunds! Mich här-mend und ängstigend ob dem Mangel der Wahrheit,