Zweites Buch.
um der Lust des Handelns, sondern auch des Lobeswillen.
Was anders ist des Tadels Werth, als der Feh-ler? Ich, um nicht getadelt zu werden, fehlte destomehr; und wo Gelegenheit mir mangelte, den übrigenUnglücklichen gleichzuthun, log ich gethan zu haben,was ich nicht that, damit ich nicht verworfner schiene,je unschuldiger ich war, und nicht niedertrachtiger, jezüchtiger ich war.
Siehe, mit solchen Gefährten durchwandelt' ichBabylons Weg', und wälzte mich in ihrem Kotbe,wie in Spezerei und köstlichen Salben. Und auf daßich desto fester an ihrem Busen hangen möcht', um-fing mich der unsichtbare Feind, und verführte mich,weil ich verführbar war. Denn auch nicht die Muttermeines Fleisches, die zwar schon entflohn war ausBabylons Schlund, aber zaudernder war im Uebrigen,sorgte, so sehr sie mich auch ermahnt hatte, wirklichgenug für meine Züchtigkeit, und hielt es, dem zufolge,was sie von ihrem Manne gehört hatte, jetzt für äu-ßerst schädlich und in der Folge gefährlich, mich in dieBande ehelicher Liebe zu führen, wofern sie vorhermeine Lüste nicht zügeln konnte. Sie sorgte deß nicht,weil sie fürchtete, durch die Last eines Weibes meineHoffnung zu unterdrücken: nicht jene Hoffnung, diesie auf dich für die Zukunft hatte, sondern die Hoff-nung der Wissenschaften, woran beide Eltern so sehrhingen: Der Bater, weil er von dir fast nichts, vonmir Eitles dachte; die Mutter, weil sie jene gewöhn-liche Studien nicht allein für nicht schädlich, sondern