36 A. Augustinus Bekenntnisse.
und statt deiner deine Geschöpft geliebt Hut, trunkenvom unsichtbaren Wein ihres verkehrten und niedrigenWillens. Aber schon hattest du in der Mutter Brustdeinen Tempel begonnen, und den Anfang deiner hei-ligen Wohnung. (Denn Jener war noch Katechumen,und zwar seit kurzem.) Deßhalb frohlockte sie nur mitfrommem Zittern und Schaudern, und fürchtete fürmich, obwohl ich noch nicht glaubig war, die verkehr-ten Wege, worauf jene wandeln, die dir den Rückenzuwenden und nicht das Antlitz.
Wehe mir! Wag' ichs zusagen, daß du schwiegst,mein Gott, da ich weiter von dir ging? Wirklich,schwiegst du mir dämals? Und wessen, als dein, wa-ren'die Worte meiner Mutter, deiner Glaubigen, diedu in meine Ohren riefst? Aber keins stieg herab inmein Herz, daß ich es befolgte. Denn sie gab sichMühe, und heimlich, wie ich mich erinnere, ermahntesie mich, daß ich keine Unzucht beginge, und vorzüg-lich, daß ich nicht ehebrache mit irgend Eines Gattin.Weiberermahnungen schienen mir diese, denen zu ge-horchen ich mich zu schämen hatte. Aber deine warens,und ich wüßt' es nicht: und ich glaubte du schwiegest,und bloß sie redete, durch welche du mir nicht schwie-gest: und in ihr wardst du verachtet von mir, von mir,ihrem Sohne, dem Sohne deiner Magd, deinemKnechte. Doch ich wüßt' es nicht, und eilte mit sol-cher Blindheit, daß ich mich schämte, meinen Gleich-altrigen an Schande nachzustehn, wann ich hörte, wiesie sich ihrtr Fehler rühmten, und desto mehr rühmten,je schändlicher sie waren. Und ich handelte nicht bloß