30 A. Augustinus Bekenntnisse.
Naschereien auch beging ich aus dem Keller undvon dem Tische der Eltern, entweder aus Lüsternheitdes Gaumens, oder um Geschenke zu haben für Kna-ben, die ihr Spiel, was sie ebensowohl ergötzte, mirdennoch verkauften. In diesem Spiel erhaschte ichoft den Sieg durch Betrug, selbst von eitler Suchtnach Vorrang besiegt. Aber warum litt ichs an An-dern nicht, und schimpfte heftig, ertappte ich sie darauf,was ich ihnen doch selbst that? und wenn man michertappte, und auf mich schimpfte, wüthete ich eher, alsich nachgab.
Ist dies die Kinderunschuld? Nein, sie ist esnicht, Herr! Herr, sie ist es nicht! Denn dies ebenist es, was von Erziehern und Lehrern, von Nüssenund Kügelchen und Sperlingen zu Obern übergehtund Fürsten, zu Gold, Beute, Sklaven. Dies allesgeht in der Folge bei erwachsenen Iahren über aufGrößeres, wie der Ruthe größere Strafen folgen. Inder kleinen Leibesgestalt der Kinder also stelltest du,unser König, das Bild der Dcmuth dar, als du sprachst:Ihnen ist das Reich der Himmel!
Aber dennoch sei dir Dank, Herr, dir, vortreff-lichstem und besten Schöpfer und Beherrscher des Gan-zen, unserm Gotte, wenn du mich auch hattest nurKnabe sein lassen! Denn ich war; und schon damalslebt' und fühlt' ich, und trug Sorge meiner Wohl-fahrt, — ein Merkmal der verborgenen Einheit, wor-aus ich entstand; aus innerm Antrieb sorgt' ich fürdie Unverderbheit meines Sinnes, und selbst in jederKleinigkeit liebt' ich Wahrheit. Ich wollte nicht be-