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Die Unrugher : Versuch eines Anfanges zur Stoffsammlung für die Unruh'sche Familiengeschichte
Entstehung
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Abschnitt XI.

Die lKirnKaumer Anruge.

Dieser Teil der Unrugh-Geschichte ist dankden Mühen vieler Angehöriger des Stammesund den Forschungen im Lippischen Thronstreitmehr als jeder andre geklärt. WillkommnesMaterial dazu bot die in zahlreichen Ab- undWiedcrabschriften verbreitete sog BirnbaumerChronik, die Thristos Sigmund, ein Glieddieses Stammes, 1739 begonnen, sein EnkelChristof Peter bis 1799 und nach ihm nochmancher andre 11. fortgeführt hat. Darum galtsie als vollständig und zuverlässig, leider mitUnrecht. Anfänglich mag dem Grochower Chrf.Sgmd. wohl der Gedanke vorgeschwebt haben,ein wirklich genealogisches Druckwerk über seineuralte Familie zu schreiben, das beweist der dar-auf angelegte Anfang. Bald hat er wohl ein-gesehen, daß dazu ihm die Hauptsache: (Quellen-studium fehlte, er sich also darauf beschränkenmußte, das zusammen zu tragen, was ihm imBereich der Familie selbst erreichbar war, vieles,wenn nicht das meiste, also auf Hörensagen undmündliche Erkundung gegründet. Jeder Rennerweiß, wie trügerisch solche Familicnangabensind. Wie schwierig und langsam waren damalsim vergleich zu jetzt die Verbindungen, wieklein der Rreis der zugänglichen gZuellen undWerke. Die Mängel seiner Arbeit schmälernalso nicht den Dank, den wir ihm schulden undwillig spenden. Freilich läßt er es an Wider-sprüchen und Ungenauigkeiten auch nicht fehlen,die schon manchen böse irregeleitet haben. SeineAbsicht ging gar nicht auf objektiv historischeWahrheit und Vollständigkeit, nur aus Ver-herrlichung der Familie. Ebenso die Nachfolgerund Fortsetzer, deren einer offen sagt, der Vettersoundso verdiene garnicht in die Chronik auf-genommen zu werden, nur aus Rücksicht aufdie Rinder wolle er ihn nicht ganz übergehn.Näher betrachtet ist diesen Chronisten nur ihreengere Familiengruppe von Interesse und dienach Preußenausgewanderten" oder gar inpreußische Dienste getretenen vettern werden sokurz und oberflächlich abgehandelt, daß derMangel an Sympathie deutlich hervortritt, aus-genommen, wer äußere Ehren dort eingeheimsthat. Das ist begreiflich, weil diese 11 s in ersterReihe dem poln. sächsischen Interesse anhingen.

in zweiter das damals noch österreichische Schlesienals ihre Heimat schätzten, also das gegnerischePreußen scheel ansahen. Nahm ihnen Preußendoch zuletzt ganz ihre Slachta-Herrlichkeit undmachte untertänige Dienstmannen aus ihnen.

Es kam Christof Sigmund nicht darauf an,den nach den Rirchenakten 1629 gestorbenenStifter des Birnbaumer Stammes schon 1612,den Gbcrst Christof von Birnbaum am 12. 1.1689 sterben zu lassen und zugleich die Grab-schrift abzuschreiben, wonach er 29. 1. gestorbenist. Er schreibt auch die lateinische Gedenktafel,die des Grochower Bogislaus Frau geb. Mar-witz in die Rirche Grochow gestiftet hat, wörtlichab. Danach ist dieser auf der Reise zurRönigs-wahl 15. 8. 1734 gestorben. Im Text läßtChr. Sgmd. aber den gleichzeitigen Bogislausvon Striche auf der Reise zur Rönigswahl 1734sterben. Dahingestellt sei, ob die Chronik nurirrt, indem sie dieselben Eltern mit hochtönendenNamen für die 1647 und 1675 je einen 1599und 1646 geb. 11. heiratenden Therese und Larb.Marie Goltz angibt. Noch viele solche Ungenauig-keiten ließen sich vorführen. Dies muß hervor-gehoben werden, weil die Neigung, die Chronikals beweiskräftige Urkunde hinzustellen, dadurchals einBeharren auf dem Irrtum" erwiesenwird.

Glücklicherweise mangelt es nicht an anderenzuverlässigeren «ZZuellen. Die Archive zu Posen,Breslau, Berlin, Danzig, Stettin, Dresden,Wien, Warschau, zahlreiche Sammlungen, vorallem das ehemalige Grodarchiv in Posen unddie Rirchbücher bieten genügendes Material zurVervollständigung und Berichtigung des Chronik-inhalts, indes kein erschöpfend vollständiges.Es fehlt noch sehr viel an Personen, wie antatsächlichen Angaben.

Merkwürdig ist es, daß infolge des Rultus,der kritiklos mit jedem alten Zettel getriebenzu werden pflegt, von allen bisherigen Forschernals bewiesene Tatsache angenommen und hin-gestellt wurde, die Birnbaumer U.s stammtenvon Lawalde ab. Allerdings findet sich dasmehr als ein Dutzendmal in recht alten Auf-zeichnungen, aber sämtlich ohne urkundlichenWert, also höchstens beweisend, daß der Irrtum