Abschnitt V.
Die Nürnberger Unruwer.
(vergleiche die Stammtafel am Schlüsse des Abschnittes.
Fast inmitten des mitteldeutschen Berglandcsder Thüringer, Hessen und Franken liegt Nürnberg,dem Kaiser Heinrich III. um 1050 Marktfreihcit,Zoll- und Münzrecht verliehen hat und das sichheute wieder zu einer der schönsten, jedenfallsinteressantesten Städte voll Gcwerbfleisz und Kunstsinnentfaltet. Es konnte wohl schon vom lt. Jahr-hundert als der Verkehrsmittelpunkt jenes ganzenBerglandcs gelten, in dem die damals noch übrigenllnruchs ihre Heimat gefunden hatten. Ein Be-sitz in Nürnberg muß also ein wertvoller Stütz-punkt gewesen sein und solchen hatte schon um1370 ein Unruch, ohne in Nürnberg Bürger znsein, denn der erste in Nürnberg Städler gewordneU. war nach den vom Jahre 13 l4 an vollständigvorhandenen Bürgerlisten') ein Cchonrnd) Bnrw,der als zweiter Zugezogener in der Liste von 138tausgesührt ist. Er selbst oder ein ihm verwandterUnruch besitzt aber schon lange Nürnberger Grundund Boden, denn in dcmLedigbries-) vom 4. l. 1374bekennen „Schultheiß Heinrich Geudcr und dieSchöpsen zu Nürnberg/' daß Fridrich Holtzschnervom Teulschen Herrn Orden das Gedinge ab-gelöst hat, das ans seinem am Trcyperg z u n ä ch stan des Vnrucn Garten gelegnen Hof undGarten iür die Klosterfrau Margaret Peterin zuSankt Kathreiu in Nürnberg bis dahin haftete.Diese Art der Erwähnung kennzeichnet „denGarten des Vnrnen" als allgemein in Nürnbergbekannten, also nicht erst kürzlich erworbnen Be-sitz. Woher aber 1381 der Conrad Vnrweingewandert und Bürger geworden ist, sagt dieListe nicht. Jedenfalls kam er nicht aus demWürzburger Gebiet, denn ein Verzeichnis^) allervon da nach Nürnberg Eingewanderten aus dieserZeit nennt keinen Unruh. Wahrscheinlich kam eraus dem Thüringischen oder Hessische», daraufdeutet der dort mehrfach vertretene Name Conrad.Er ist der einzige damals in Nürnberg einge-wanderte U., da die bis 1468 durchgesehenenBürgerlisten keinen andern U. bis 1464 mehrnennen, Conrad ist also als Stammvater derNürnberger U.'s zu betrachten. Mit ihm undseiner Frau, die 1400 starb, sind 3 erwachseneSöhne und eine jüngere Tochter nach Nürnberggekommen. Vielleicht hat er, als er „des Vnruen
0 Krsarch. Nürnberg.
-> Pergament rzr Germ. Mus. Nürnbg.
h Krbarch. Nbg.
Garten" in Nürnberg erbte, sein bis dahin be-sessenes Landgut einem noch älteren Sohne über-geben und den Stadtbesitz gleichsam als Alten-teil bezogen. Im Jahre 1330 scheint er dortgestorben zu sein. Reichliches Vermögen mußvorhanden gewesen sein, denn Jakob, der ältesteder drei mit ihm gekommenen Söhne, der eineSpalter zur Frau nahm, sitzt schon seit 1386im Rate. Bernhard dcr andere Sohn erscheintneben ihm und dem dritten Bruder Erhartzuerst 1302 in der Stenerliste der SebaldjeiitU) demnördlich der Pegnitz im Schutze dcr Burg ge-legnen älteren Teile der Stadt. Dann ver-schwindet dieser Erhart, weil er sortzog und einMärker wurde.
Auch Bernhard scheint wieder Landbesitz er-worben zu haben, aber noch bis 1400 nennt ihn»eben seinem Bruder Jakob die Stcucrliste, dievon I3S7 bis 1400 nun auch seine verwiltweteMutter ausführt. Außerdem erscheint nun JakobsFrau, wol für ein Sondcrvcrmögcn, als Steuer-pflichtige.
Conrads Spätlingstöchterchen heiratete Wolf-gang Haug, der noch 1468 am Leben war undim Testament 2) seines Neffen Jakob U. bedachtwird. Dieser war der Sohn des Ratsherrn JakobII., dessen 2. Sohn Scbolt hieß und dessen Tochterals 2. Frau des vorher mit einer Schütz verheir.gewesenen Georg Zennerer 1430 starb. Bernharddagegen hatte anscheinend nur 1 Sohn Erhartund 1 Tochter Elara. Dieser Erhart tritt zu-erst am 10. 9. 1406 als Zeuge mit Steffan Schulerauf, als Karl Holtzschuer vor Rat und Schöffenein Grundstück aufließ. Erhart ist damals nochsehr jung gewesen. Vielleicht war dieses Auftretenals Zeuge seine erste Einführung in öffentlicheDinge. Man nahm ja gern junge Zeugen, aufdie man noch lange sich berufen zu können gedachte.Mit ihm tritt zuerst die dritte Generation Nürn-bergischer llnruhs auf. Keinesfalls kann der1427 bis 1433 in den Steuerlisten zusammen miteinem Jakob II. erwähnte Erhart mit dem dort 1302schon genannten bejahrten Erhart identisch sein. Viel-mehr war dieser Erhart der Sohn des Bernhard undderselbe, der oben 1406 als Zeuge genannt war.
Das Anlehnungsbcdllrfnis an Korporationen
0 Krcisarchw Nürnberg,ebenda.
2) Pergament H.2 German. Mus. Nürnbg.