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Die Unrugher : Versuch eines Anfanges zur Stoffsammlung für die Unruh'sche Familiengeschichte
Entstehung
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Abschnitt VI.

Die HaKe-Torzauer Unruhe.

Bereits im 2. Abschnitt ist darauf hingewiesen,daß die U's ans Thüringen und Goslar augen-scheinlich in dem Halle-Torgouer Zweige ihreFortsetzung finden. Auch von diesem finden sichhie und da, namentlich im Staatsarchiv zu Magde-burg viel einzelne zusammenhanglose Aufzeich-nungen. Dank Gundlachs LibUotses. kamiliarumnodiliunr (Neu-Strelitz 1897) fand sich aber leichtder Pfad zu einer 1750 vonJohann Christophvon Dreyhaupl herausgegebene»Ausführlichendiplom. histor. Beschreibung des zum ehemaligenPrimat und Erzstist, nunmehr aber durch denWestsälischen Friedensschluß secnlarisierten Herzog-tum Magdeburg gehörigen Saalkrcyses." Darinfindet sich nicht nur eine Reihe wertvoller Angaben,sondern auch eine vollständige Stammtafel der imallsächsischen Saalkreise gesessenen U's von ihremAustauchen bis zum Aussterben. Es ist nichtJedermanns Sache, aus solchem trocknen Gewirrvon Name» und Zahlen die Schicksale der Menschenherauszulesen. Deshalb knüpfen wir an denInhalt der Tafel alles erzählend an, was sich sonstnoch auffand.

Woher der Stammvater dieses Unruhzweigesgekommen, ehe er von Dreyhaupl mit dem dürrenSatz:Johann Unruh Bürgermeister zu Torgau.149t, uxor eine Sonn ewaldin" wie in einerKäfersammlung aufgespießt wurde, läßt sich genaunicht mehr sagen. Die ältesten Kirchenbnchein-tragungen von 1591 der Oberpfarre U. L. Fr.zu Halle weisen die auf Böhmen deutende Namens-sorm Unruhr auf. Ebenso nah liegt aber auchdie Ableitung von den schon Eingangs erwähntenU's des 13. und 14. Jahrhunderts in der ErfurterGegend, in Goslar, in und bei Magdeburg,Zerbst u. s. w. Da aber nicht anzunehmen ist,daß die Torganer den Johann U. als Neulingin der Stadt bloß deshalb zu ihrem Oberhaupterwählt hätten, weil er ein kluger, netter und vor-nehmer Mann gewesen, so wird man schon glauben,müssen, daß er dort heimischer Sohn und Enkelangesehner Patrizier und zu seinem Amte durchStudium und Erfahrung wohl vorbereitet war.Nun aber hat Dreyhaupt aus der Not der mangeln-den Nachrichten eine Tugend gemacht und alsnächste Generation aus den Iohan n den Magister(vr.) Anton Unruh folgen lassen, von dem er

sagt, er sei 1552 Stadtrichter zu Torgau, mit desRatsverwandten (Stadtrat) Anton Prager Tochterverheiratet, Vater von 5 Kindern gewesen und am14. Mui 1591 zu Halle gestorben. Das ist richtig,denn nach dem Kirchenbuch wurde er am 16. 5. 1591feierlich seitens der Erben des f vr. Jacob U. be-graben. Angenommen Johann sei 1491 Bürger-meister geworden, nicht etwa als solcher 1491 ge-storben, so müßte er doch ungefähr in seinenvierziger Jahren, also längstens bis etwa 1520am Leben gewesen, und als angehender Siebzigergestorben sein. Wenn aber Magister Anton am14. 5. 1591 gestorben ist, kann Johann höchstenssein Großvater genesen sein. Es fehlt alsomindestens eine Generation mit allem, was dazugehört. Aber «un werden die Nachrichten voll-ständiger. Aus einer Grabrede der StolbergerSammlung erhellt auch, daß Anton's FrauMargarethe Prager hieß. Jedenfalls vollzogsich unter Anto n die Seßhastmachung in Halle,nur sein gleichnamiger dritter Sohn gb. 13. 8. 1546blieb in Tvrgau, wo er die Tochter des Seiden-kaufmanns Stadtrats Sachse heiratete und am10. 4. 1620 starb. Einziger Sohn dieser Ebern warErasmus Vnrnb, wie sein Name aus demgroßen Leichenstein in der Schloßkirche zu Witten-berg steht. Er war ein früh e itwickeltes Wunder-kind; am 17. 8. 1576 geboren wurde er bereitsam 4. 12. 1585, also kaum 9 Jahr alt bei derUniversität Wittenbergs) unter dem Rektor JohannBugenhagen, einem Pommern,irr -llkurir rsvi-pirst", und schon nacb 5 Jahren in Leipzig 1690immatrikuliert. Auch andere Universitäten soll erbesucht und sich schon früh durch scharfsinnigeSchriften so ausgezeichnet haben, daß sobald er1600 nach der Magister- auch die vr. würde er-langt, er ein gesuchter Rechlsbeistand und 5 Jahrspäter nicht nur außerord. Professor in Wittenberg,sondern auch Assessor des Schöppenstuhls, alsopraktischer Jurist wurde. 1607 heiratete er Cäcilic,die Tochter des Kurfürstl. Sächs. Hofpredigers undKirchenrats Polykarp v. Leyser zu Dresden underwarb bald darauf das Rittergut Nabenstein; vonwem, steht nicht fest, er heißt fortanErbherraus Rabe »stein." 1608 wurde er ordentl.

l> Svevi Acad. Winbg. p 480.